Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Warum ich Jude bin
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 380 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Edraond Fleg Heim seiner Erinnerungen wieder aufrichtet, das Heim seiner Hoffnung, welche die Hoffnung der Welt ist Und sage, ob du nicht in dieser einzigartigen Geschichte die ewige Gegenwart eines Gedankens und eines Willens fühlst, die diesem Volk seine Aufgabe zugewiesen und ihre Erfüllung ermöglicht haben, die es durch Leiden prüfen, aus Prüfungen retten, von Schritt zu Schritt führen, aus seiner schmerzensreichen Vergangenheit gegen seine glorreiche Zukunft Ich aber, mein Kind, der ich so lange den Beweis für das Dasein Gottes gesucht habe, ich habe ihn im Dasein Israels gefunden. Ich bin Jude, weil ich, aus Israel geboren, Israel verloren hatte und es in mir wieder aufleben fühlte, lebendiger als mein eigenes Selbst Ich bin Jude, weil ich, aus Israel geboren, Israel wiedergefunden habe und will, daß es nach mir lebe, lebendiger als in mir selbst Ich bin Jude, weil der Glaube Israels von meinem Geiste keinerlei Verzicht verlangt Ich bin Jude, weil der Glaube Israels von meinem Herzen jede Entsagung fordert Ich bin Jude, weil an jedem Orte, wo ein Schmerz blutet, der Jude blutet Ich bin Jude, weil in allen Zeiten, wo eine Verzweiflung aufschreit, der Jude hofft Ich bin Jude, weil das Wort Israels das älteste und das neueste Wort zugleich ist Ich bin Jude, weil das Versprechen Israels das universale Versprechen ist. Ich bin Jude, weil für Israel die Welt noch nicht vollendet ist: die Menschen sind's, die sie vollenden. Ich bin Jude, weil für Israel der Mensch noch nicht erschaffen ist: die Menschen sind's, die ihn erschaffen. Ich bin Jude, weil Israel über Israel und die Nationen den Menschen und seine Einheit setzt Ich bin Jude, weil Israel über den Menschen, Abbild der göttlichen Einheit, die göttliche Einheit und ihre Göttlichkeit setzt Manchmal, mein Kind, wenn ich durch ein Museum gehe, denke ich vor den Bildern, vor den Figuren, den Möbeln, den Waffen, den Fayencen, Gläsern, Mosaiken, den Gewändern und Münzen, dem Schmuck und Zierart, die, aus allen Zeiten, von allen Orten hier zusammengekommen, an den Wänden hängen, auf Sockeln stehen, hinter Geländern aufgereiht, in Vitrinen klassifiziert, numeriert, etikettiert sind — denke ich, daß dieser oder jener meiner Ahnen SSO