Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Warum ich Jude bin
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 374 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2895450-2895475-2895480-2899112--03023-2899204- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Edmond Heg Da ist diese Menge in dem Land, das ihr verhießen war. Sie ist eine Nation; sie hat Könige- Aber Israel ist seines Gesetzes unwürdig; es verfällt wieder und immer wieder der Götzendienern; und das ist für Israel die Sünde, die alle anderen enthalt, denn der lebendige Glaube an einen einzigen, unsichtbaren und geistigen Gott ist die oberste der Wahrheiten, die es der Welt schuldet Seine Propheten kündigen ihm an., daß es verderben werde, wenn es seinen Gott verkennt; und sein Gott züchtigt und vergibt, je nachdem es das Gesetz befolgt oder verletzt Es spaltet sich in zwei Reiche: das eine besudelt sich unwiderruflich mit Wollust und Gemetzel des Götzendienstes; es vergißt seinen Gott, es wird von seinem Gott vergessen; es wird besiegt, vertrieben: es verschwindet von der Erde. Die anderen, schuldig auch sie, wandern in die babylonische Gefangenschaft; aber ihr Gott ist in dem Herzen ihrer Propheten lebendig geblieben: es ist ihr Gott und es ist der Gott aller Menschen, denn alle Menschen sind nach seinem Bilde geschaffen, und er will, daß aus seinem Volk für alle Menschen der Messias des Friedens und der Gerechtigkeit geboren werde, der die Einheit des Menschen der Einheit Gottes nachbilden wird. Und siehe, dieses Volk verfällt der Reue und empfängt seine Belohnung: Cyrus, ein heidnischer König, gibt ihm die Erde seiner Ahnen wieder; vom Götzendienst befreit kehrt es dahin zurück; weder Griechenland in seiner Schönheit, noch Rom in seiner Macht vermag es mehr von seinem Gott abzuwenden. Aber innerer Zwiespalt zerklüftet es, und es geht in einer zweiten Verbannung zugrunde, die es in alle Weltteile zerstreut: sein erster Tempel, als Strafe für den Götzendienst zerstört, war für die göttliche Einheit wieder aufgebaut worden; sein zweiter Tempel, als Strafe für die Zwietracht zerstört, soll durch die menschliche Einheit wieder aufgebaut werden. Nun soll, nach den Prophezeiungen, die Verbreitung von Israels Wahrheit beginnen. Jesus, einer seiner edelsten Söhne, hat es in der herzbewegendsten Sprache gesagt Er hat es gesagt in dem Glauben an das bevorstehende Ende der Welt, in dem Glauben, selbst der erwartete Messias zu sein. Aber Friede und Gerechtigkeit sind nicht gekommen; Israel wartet noch immer. Und die Christen vergöttlichen ihren Propheten, und die Heiden, an sichtbare Götter gewöhnt, glauben mit ihren Augen Israels unsichtbaren Gott zu schauen; und so ist die christliche Wahrheit für die Juden nur halbe Wahrheit. Das römische Reich wird christlich. Es fordert von den Juden, daß sie christlich werden. Sie aber erwarten ihren Messias. Doch hat die Zerstörung 374