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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 371

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Warum ich Jude bin
Date
1928-10-01
Page
371 (sequence 18)
Language
German
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Warum ich Jude bin mus, was die revolutionäre Aasdeutung dieses Gefühls betrifft, die absolute Verneinung des dem Judentum eigentümlichen historischen Spiritualismus darstellt, und daß der Kommunismus seiner Ursprung vom Sozialismus der Proudhon, Louis Blanc, Saint-Simon und Babeuf herleitet — die, wenn sie Juden waren, vortrefflich verstanden haben, es zu verheimlichen. In der jüdischen Gesetzgebung gehört der Grund und Boden nicht dem Staat, sondern Gott, und er ist in dem Sinn unveräußerlich, daß ein Grundbesitz nur für eine bestimmte Zeit verkauft werden kann, nach der er an seine früheren Eigentümer zu Recht zurückfällt Diese konservative Maßregel, welche die dauernde Ungleichheit der Vermögen unmöglich macht, ist weit davon entfernt, die Revolution hervorzurufen, neigt vielmehr dazu, ihr zuvorzukommen: und es gibt keine jüdische Tradition, die ihre Durchführung, an welchem Punkt auch immer, durch revolutionäre Gewalt anordnet oder gestattet Der Talmud ist hingegen voll konservativer Maximen: „Wehe dem Schiff, das seinen Steuermann verloren hat, wehe dem Gemeinwesen, das seinen Führer verloren hat" „Achte stets die höchste Autorität deines Landes." „Wenn der König befiehlt, einen Berg umzustürzen, begib dich ans Werk ohne zu murren." Verdammt das zehnte Grebot, das verbietet, das Gut des Nächsten zu begehren, nicht in seinem Grundgedanken den Klassenkampf? War es nicht die Bibel, in der Bossuet seine „Politique tiree de rßcriture Sainte" fand, die das Gottesgnadentum der Könige begründet? Warteten die Juden nicht auf die Zustimmung des Pharao, um Ägypten und die Sklaverei zu verlassen? Ließen sich die Juden nicht durch achtzehnhundert Jahre abschlachten, ohne sich aufzulehnen, ja ohne sich zu verteidigen? Müssen sie nicht nahezu entjudet sein, wenn sie sich endlich gegen die Pogrome bewaffnen? Wäre das Judentum in seinem Wesen kapitalistisch? Jedoch die ganze Bibel, der ganze Talmud preisen die Armut; die Juden geben, sobald sie dazu in der Lage sind, den Handel auf, um sich geistig zu kultivieren; an allen Universitäten, diejenigen ausgenommen, deren Pforten ihnen infolge einer willkürlichen Gesetzgebung verschlossen sind, wie in Rumänien und Ungarn, steht ihr Zuzug in keinerlei Verhältnis zu ihrer numerischen Bedeutung innerhalb des betreffenden Landes; neben den christlichen Kapitalisten machen die jüdischen Kapitalisten klägliche Figur; das jüdische Proletariat ist das elendeste Proletariat Wäre also schließlich das Judentum eine internationale Organisation, beslimmt, den Juden das materielle Übergewicht und die Weltherrschaft zu er- 37t

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