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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 356

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Warum ich Jude bin
Date
1928-10-01
Page
356 (sequence 3)
Language
German
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Edmoncl Fleg Das auserwählte Volk! Die Mission Israels! ... Wie absurd! ... Israel halte eine Mission, andere nicht? Warum? * * * Sie wollen einen Gott für sich allein: den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Gott Israels! Er schließt einen „Bund" mit den Patriarchen! Er erneuert ihn auf dem Sinai mit ihren Nachkommen! Ein Bund bindet in Ewigkeit den Ewigen an dieses Volk! ... Was ist er denn für ein Gott? Ein Götze? Ein Fetisch? Der Gott eines wilden Stammes? Der Gott für Israel allein? ... Doch nein: er nennt die Ägypter sein Volk, er nennt den Assyrer das Werk seiner Hände; die Propheten der Ungläubigen haben Kenntnis von ihm: der Talmud verbietet, den Götzenanbeter bei seiner Andacht zu stören, da er sich, ohne es zu wissen, an eben diesen Gott wendet. Dieser Gott hat mit Noah gesprochen, bevor er mit Israel gesprochen hat, hat sämtlichen Menschengeschlechtern Gebote gegeben; er hat den Himmel und die Erde geschaffen. Er ist der Eine Gott, der Gott aller Menschen, der Gott der ganzen Welt. Warum also der „Gott Israels"? Ich verstehe es nicht * * * Und ihre Thora, dieses Gesetz, das sie von allen anderen Völkern trennt! Sie bestellen das Feld nicht wie die anderen: Moses verbietet ihnen, Ochs und Esel zusammen an einen Pflug zu spannen; sie säen nicht wie die anderen: Moses verbietet ihnen, dasselbe Feld mit zweierlei Saat zu säen; sie sammeln und ernten, sie bauen und rechnen, sie essen und beten nicht wie die anderen; sie unterscheiden sich durch ihre Kleidung, ihre Haartracht, ihren unbeschnittenen Bart, durch das Zeichen des Bundes an ihrem Körper. Die Abtrennung eines Volkes von der gesamten Menschheit: welch unerträglicher Hochmut! ... Und dieses selbe Gesetz enthielte die ewige Weisheit? Es verletzen hieße die Weltordnung erschüttern? Gott befragte das Gesetz, als er die Welt erschuf? Gott selbst studiert die Thora? Ich verstehe es nicht * * * Ihre Weisen sagen: die Bibel „spricht die Sprache des Menschen". Darunter verstehen sie wohl, daß Gott selbst den Propheten nur das offenbart hat, was sie an ihm verstehen konnten, und in der Sprache, die sie verstehen 356

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