Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1928)
- Article
- Galuth
- Date
- 1928-10-01
- Page
- 325 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Gallith Von Max Dienemann Galuth heißt Exil, Verbannung. In dem Worte liegt also von Hause aus die Vorstellung von etwas Vorübergehendem, einem Strafakt, einer Erziehungsform, jedenfalls von etwas, das zur Aufhebung bestimmt ist, das einmal sein Ende finden soll, das man also in seiner Zukunft verneinen muß. Wenn das Wort beibehalten ist, so deshalb, weil man sich daran gewöhnt hat und weil man seine Bedeutung nach der Richtung hin gewandelt hat, daß es heute ohne Wertbetonung, ohne bejahende oder verneinende Absicht Sein und Leben des Juden außerhalb von Erez Israel bedeutet In den innerjüdischen Auseinandersetzungen der Gegenwart spielt seit einiger Zeit die Frage eine Hauptrolle, welche seelische Haltung der Galuth - form des Judentums gegenüber einzunehmen ist Wir hören Stimmen, die, mitunter in der allerschroffsten Form, die Galuth als dem Sinn und der Zielsetzung allen jüdischen Seins widersprechend erklären, die Behauptung aufstellen, daß ein wirkliches und wahrhaftiges jüdisches Leben nur einzig und allein in Erez Israel sich entfalten und bleiben könne; daß alles jüdische Leben außerhalb von Erez Israel, also in der Galuth, unnatürlich, gezwungen und in ständiger Auflösung begriffen sei, gegenüber den Einflüssen der Umwelt nicht von der eigenen Idee aus bewegt sein kann, daß man also im besten Falle für dieses Judentum in der Galuth so gut man kann, sorgen müsse, weil es doch nun eben einmal da sei und man es pflegen müsse, als Durchgang zu dem neuen Erez Israel, als Reservoir der Menschen, die für seine jüdische Besiedelung notwendig sind, daß aber der Jude hier in der Galuth hauptsächlich und in der Wurzel seines Fühlens und Empfindens auf Erez Israel gerichtet sein müsse. So vernahmen wir noch jüngst von autoritativer Seite 325