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Der Morgen · 1928-10-01 · Heft 4 (Oktober 1928) · p. 320

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 4 (Oktober 1928)
Article
Die Erweckung
Date
1928-10-01
Page
320 (sequence 4)
Language
German
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Friedrich Thieberger Intensität er es tut, wird hier von seinem dunklen Gefährten mitbestimmt Das Wort vom seichten und tiefen Menschen hat guten Sinn. Es braucht uns jemand nur die Hand zu geben, nur „guten Tag" zu sagen und wir spüren, aus welcher Tiefe des dunklen Menschen heraus es geschieht Das helle Menschentum verbindet, gleicht aus; das dunkle Menschentum sondert, individualisiert. Vom dunklen Menschen in uns zu wissen, ist sicherlich nur dem hellen möglich. Er erschließt das Vorhandensein des dunklen, spürt ihn in seinen Wirkungen. Aber die lebendige Wirklichkeit des dunklen Menschen, sein inneres Schaffen bleibt uudurchdringlich. Bildhaft dürfte man sagen, daß das Gefühl des hellen Menschen die dem dunklen zimächst gelagerte Schichte ist,, während der Verstand des hellen Menschen vom dunklen Menschen weiter entfernt ist. Denn wir erfahren es deutlich, wie das Gefühlsleben sogar gegen den Anspruch des Verstandes vom dunklen Menschen beeinflußt wird. Welches ist nun die innerste Einheil, die alle Geheimnisse des dunklen Menschen zu etwas Ganzen sammelt? Mit der Antwort, daß es das Unbewußte in uns sei, wäre bloß die Abgrenzung gegenüber dem hellen Men,- schen umschrieben. Wir leben aber als physische und geistige Wesen unter einem Gesetze, das etwas mit uns vorhat Nur hat der Ausdruck „Gesetz" einen allzu allgemeinen Sinn. Ihm fehlt das Persönliche, das — wie es ja in Wirklichkeit ist — auf den einzelnen Menschen-Fall Bezügliche. Darum ist es wohl richtiger zu sagen: wir leben als dunkle Menschen in einem Auftrag. Wir kennen nicht den, der ihn gab, wir wissen auch nicht, wie er lautet, aber wir wissen, daß der Auftrag da ist, nach welchem unser Leben sich ereignet, aufsteigt und vergeht Das Bauwerk unserer Zellen, unser Suchen in der Welt dienen niemand anderem als dem geheimen, ganz persönlichen Auftrag. Selbst wenn wir schlafen, ist er nicht aufgehoben, auch der Schlaf gehört zu ihm. Immer stehen wir im Zeichen der dunklen Botschaft. Wir sind immer im Dienst Seit Sigmund Freud ist der Blick wieder stärker der unbewußten Macht im Menschen zugekehrt. Es wäre aber ein Mißverständnis, wenn man im dunklen Menschen nur eine Personifizierung der Verdrängungen, von denen die Psychoanalyse spricht, sehen wollte. Der dunkle Mensch ist nicht das Kind des hellen, wie etwa das Unbewußte nur aus den Verdrängungen bewußter Vorgänge entstanden sein soll Es ist der dunkle Mensch auch nicht der Despot des hellen, wie etwa das Unbewußte der Psychoanalyse das Bewußtsein in strengem Banne hält. Vielmehr sind Dunkel und Hell mit ihren 320

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