Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Jüdische Jugendbewegung
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 286 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Hölzer anscheinend ebenfalls im Niedergang begriffen; starke kommunistisch eingestellte Gruppen, wie der „Schwarze Haufen", sondern sich ab, nehmen mancherorts auch schon den einen oder anderen Nichtjuden auf. In sich gebrochen ist der Bund schon seit einiger Zeit, als sich das Älterenproblem im Bunde erhob, die Älteren von den Jüngeren sich organisatorisch trennten, den „Ältereabund der Kameraden" gründeten und nun auf eine rein akademische Tätigkeit sich beschränken: ein tatenloses, einflußloses Verharren. Indessen stehen beide: Älterenbund und Jüngerenbund ohne tatkräftige Führer da. — Eine Sonderrolle spielen Hechaluz und Jungjüdischer Wanderbund. Sie beide haben die Erziehungsaufgabe, die jeder Jugendbund ja hat, in das Ordensmäßigc erhoben. Sie nehmen grundsätzlich und in allen Fällen nur Menschen in ihren Bund auf, die sich mit Leib und Seele dem Bundesziel — Palästina — unterordnen. Sie bilden somit ihre Mitglieder zu landwirtschaftlichen Arbeitern, zu Chaluzim aus, um sie später in Palästina anzusiedeln. Es ist klar, daß hier das eigentlich Jugendbewegliche, das Ungebundene, Freie verloren ging und zu einem sehr realen, fast bürokratischen Zweckbetrieb erstarrte. Da außerdem beide Bünde einen vorwiegend ostjüdischen Menschenkreis, auch in Deutschland, umfassen, haben sie mehr und mehr an Bedeutung verloren. — Neben diesen größeren Bunden bestehen noch einige kleine und kleinste Gruppen, die noch durch persönliche, menschliche Bindungen fortleben, denen aber irgendeine Zukunft nicht mehr beschieden sein kann. — Ziffernmäßig geben alle diese noch bestehenden Bünde der jüdischen Jugendbewegung zusammen etwa 7000 Mitglieder an, doch dürfte diese Zahl de facto nicht erreicht werden. IV. Ausblick So also würde es mit der jüdischen Jugendbewegung stehen? Es ist zuzugeben, daß die Führerfrage, an der mit die deutsche Jugendbewegung zugrundeging, für die Juden so drängend und drohend nicht war. Vielleicht durch ihre beweglichere Geistigkeit, vielleicht durch größere rhetorische Gaben — jedenfalls bestand die Führerfrage immer auch in den jüdischen Bünden, niemals aber so brennend wie bei der allgemeinen deutschen Jugendbewegung. In einem ganz anderen und viel stärkeren Maße aber als diese ist sie am Älterenproblem. 286