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Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 287

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
Jüdische Jugendbewegung
Date
1928-08-01
Page
287 (sequence 9)
Language
German
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Jüdische Jugendbewegung Wie sich dieses Älterenproblem. für diesen jungen Juden darstellte, hat Martin Buber in seiner ersten Rede über das Judentum gezeigt. „Er erfährt in sich, daß es ein Dauern gibt____da er die Folge der Geschlechter entdeckt, die Reihe der Väter und der Mütter schaut, die zu ihm geführt haben und inne wird, was alles an Zusammenkommen der Menschen, an Zusammenfließen des Blutes ihn hervorgebracht." Er fühlt sich also nunmehr verbunden dieser so gewordenen jüdischen Gemeinschaft, derselben, die er soeben als „jugendbewegter Mensch" glatt verneinte. Dieses späte Erlebnis der Verbundenheit mit den Generationen vorher, auch mit der letzten Generation, dieses starke und plötzliche Erlebnis steEt sich ihm als Aufgabe und Forderung dar. Und da er sich in Ablehnung und bloßem Verneinen erzogen hatte, konnte er den Weg zur Gemeinschaft, zur Gemeinde nicht mehr finden — und verschwand drom zum Heere der Indifferenten. Jene Menschen der jüdischen Jugendbewegung, beeinflußt von ihren christlichen Kameraden und Altersgenossen, potenzierten noch den Fehler, den jene begingen. War es für jene schon falsch zu glauben, daß man das Recht habe, selber sogleich Ahne zu sein, wo man doch immer zuerst Enkel ist, selber kulturschöpferisch sein zu können, wo man die Reife zu wirklich schöpferischer Tat noch gar nicht besaß, so war dieser Irrglaube doppelt gefährlich bei Juden, bei denen das Gefühl der Verbundenheit mit den Zeiten, die zuvor waren, stark ausgeprägt ist. Und so ist es denn gekommen, daß heute bereits ein anderer Wind in den Kreisen der jüdischen Jugend weht. Man lernte aus den Fehlern, die man begangen hat. Deshalb sammelt sich heute die jüdische Jugend in zwei großen Verbänden, die beide das Prinzip der Einheit mit der vorigen Generation betonen. Der eine ist die Agudas Jisroel Jugend-Organisation, der etwa 4ooo Mitglieder umfassende, auf dem Boden der Trennungsorthodoxie stehende Bund, und der andere ist der etwa 12 000 Mitglieder umfassende Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. In beiden Verbänden herrscht der Grundsatz der Kontinuität der Entwicklung und der Grundsatz der Kontinuität der Erziehung. Auf der einen Seite ist man sich bewußt, daß man den Rhythmus dreier Jahrtausende in den Adern hat, und daß man deshalb diese Reihe in ewige Zukunft fortzusetzen gezwungen sei. Daher führt der Weg der jüdischen Jugend in die Gemeinde als die Bürgin jüdischer Zukunft hinein, nicht aus der Gemeinde heraus. Und weil andererseits die Agudas Jisroel ihre Mitglieder vom Kindesalter erzieht bis 287

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