Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Jüdische Jugendbewegung
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 285 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Jugendbewegung Und hier erhebt sich für uns die Frage: Waren die, die sich Führer der Bewegung nannten, es überhaupt jemals gewesen? Wenn Führer-sein schon bedeutet, an die Spitze von Menschengruppen zu treten, die aus einer soziologischen Lage, einer gleichartigen historischen Situation heraus sich bildeten, dann allerdings tragen die Führer der Bewegung diesen Namen mit Recht. Wenn aber Führer-sein heißt: Losungen ausgeben, wo andere das Wort nicht finden; Wege zeigen, wo andere im Herdengewimmel verharren; Richtungen weisen, wo andere sinnlos weiterrennen, denn fürwahr waren jene keine Führer gewesen, dann waren sie, wie ich oben ausführte, Gestaltete, aber keine Gestalter, Geführte auch, aber keine Führer. Und so verlöschte die Bewegung, weil jene, die sich Führer nannten, verlöschten und weil kein „Retter" sich in diesem Kreise fand. III. Die jüdische Jugendbewegung All das wieder, was in den letzten beiden Abschnitten über Älterenproblem und Führerfrage gesagt wurde, trifft für die allgemein-deutsche, wie für die jüdische Jugendbewegimg zu. Der Unterschied ist einzig und allein temporärer Art. Der Niederbruch der deutschen Jugendbewegung ist bereits vollzogen, sie ist zu einer Bedeutungslosigkeit herabgesunken, daß sie (nach der amtlichen Statistik des Reichsauschusses der deutschen Jugendverbände in „Das junge Deutschland", XXI, Heft io/ii) gerade hoch 0,690/0 innerhalb der in Jugendorganisationen zusammengefaßten deutschen Jugend ausmacht, während die 5V2 Millionen deutscher organisierter Jugend sich auf konfessionelle, sportliche und politische Bünde verteilen, die eben die Organisationsform der Jugendbewegung für sich ablehnen. Diese großen Bünde unterstehen entweder Erwachsenen: Geistlichen, wie die konfessionellen, ehemaligen Offizieren, wie die Wehrbünde, Parteisekretären und Akademikern, wie die politischen. Oder sie sind autonome Vereinigungen, in denen neben älteren junge Menschen an der Leitung stehen, Bünde, die in freier Wahl, ohne allzu straffe Rücksicht auf Jahrgang und Alter, sich ihre Leiter wählen. Im jüdischen Kreise wickelt sich dieser Prozeß zurzeit noch ab. Die freien Bünde der Jugendbewegung brechen nieder. Der Blau-Weiß, jener stolze, große und beispielhafte Bund, besteht nicht mehr und in seinem Nachfolger, dem Kadimah, Bund jüdischer Pfadfinder, ist ihm nichts gleichwertiges gefolgt. — Die Kameraden, deutsch-jüdischer Wanderband, sind 285