Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Kritische Bemerkungen zur Rassenhygiene
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 260 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Marx Forscher entstammen. O. Hertwig hat in seinem Buche „Zur Abwehr des ethischen, des sozialen und des politischen Darwinismus" (2. Aufl. 1921) dafür ein reiches Belegmaterial geliefert. Mit welcher übermenschlichen Weisheit und Voraussicht in die Zukunft, mit welcher Menschenkenntnis müßte eine Menschenzuchtbehörde ausgestattet sein, damit ihr die im Schöße der Zukunft ruhende Veredelung der Menchheit anvertraut werden könnte? Sie müßte wie ein Gott nicht nur die äußerlich erkennbaren Merkmale und Fähigkeiten eines Menschen richtig beurteilen, sondern sein inneres Wesen, auch seine nicht direkt wahrnehmbaren Anlagen durchschauen können. Ein Menschenzüchter müßte also eine geradezu übermenschliche Voraussicht besitzen. Die Fähigkeiten eines Gelehrten sind andere als diejenigen eines Künstlers, und sie sind unter den Gelehrten selbst sehr verschieden. Ebenso verhält es sich auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit in einem reichgegliederten Kulturstaat. Jeder Beruf, jeder Arbeitsstand, jedes Gewerbe verlangt seine besonderen Fähigkeiten und eine dementsprechende Tüchtigkeit, nach welcher der einzelne in seinem Kreise gewertet wird. Außerdem sind alle diese arbeitenden menschlichen Wesen, von denen jeder tüchtig und minder tüchtig in seiner Art, zugleich aber auch untüchtig in sehr vielen anderen Beziehungen ist, die für ihn als arbeitsteiliges Glied der Gesellschaft nicht in Frage kommen, wieder verschieden nach sittlichen Maßstäben, verschieden an Wert in der Familie, in der Gesellschaft und ihrer Beteiligung an sozialen und politischen Vereinen, verschieden in körperlicher Kraft und Schönheit, an Gesundheit und Widerstand gegen äußere Einflüsse. Wie soll sich demgegenüber eine menschliche Zuchtbehörde verhalten? Welche von den unzähligen Tüchtigkeiten verschiedenster Art soll sie begünstigen, und nach welchem Wertungsmaßstab, der anstatt eines subjektiven ein objektives Urteil ermöglicht, ihre vermutlichen Träger für die Zucht auslesen? „Vermutliche" Träger müssen wir sagen. Denn in dem Kind und der schulpflichtigen Generation sind erst die Anlagen für alle die Erfordernisse, welche die werktätige Gesellschaft stellt, vorhanden; sie werden gepflegt und erzogen. Was aber aus allen den schlummernden Anlagen, die sich allmählich bald früher» bald später zu entfalten beginnen, im Endergebnis wird, stellt sich doch erst mit Sicherheit im Leben selbst heraus. Auch die höchst entwickelte Psychologie wäre nicht imstande, exakte- Grundlagen für die Maßnahmen zu liefern, welche die Rassenhygiene zur- Unterstützung der positiven Auslese für nötig findet. 260