Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Kritische Bemerkungen zur Rassenhygiene
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 258 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Marx „Eis kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß gegenwärtig in allen Ländern europäischer Kultur die Fruchtbarkeit der Minderwertigen (Sic! d. Verfasser) größer ist als die der überdurchschnittlich Befähigten. Unsere Offiziere und höheren Staatsbeamten, auf deren ererbten Fähigkeit die Organisation unseres großen Millionenstaates ruht, erzeugen einen Nachwuchs, der zahlenmäßig (und darauf kommt es ja an) im Verhältnis zu dem Nachwuchs mindertüchtiger Volksteile . . . erschreckend weit zurückbleibt Man kann daher leider sagen, daß unser Beamtentum und unser Offiziersstand geradezu Mittel sind, um unser Volk in wirksamer Weise seiner wertvollsten Erbstämme zu berauben. Der Staat verurteilt — durch die Lage seiner sozial-wirtschaftlichen Verhältnisse — diejenigen, die ihm am treuesten dienen, zu ungenügender Fruchtbarkeit und somit zum langsamen Aussterben, er bestraft sogar sozusagen die festesten Stützen seiner Macht mit einer Dreiviertels-Unfruchtbarmachung. Ein Staat aber, der auf eine solche gefährliche Art dankbar ist, kann nicht von dauerndem Bestand sein. Jedoch unterliegen nicht nur die führenden Kreise im Kampf ums Dasein den Geführten, auch ganz allgemein werden die Besitzenden von den wirtschaftlich Schwachen besiegt. In Berlin zeigen z. B. die Proletarierviertel fast doppelt so hohe Kinderzahl als die Viertel der wohlhabenden Bevölkerung. Mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg, der gerade den Begabten und Leistungsfähigsten am häufigsten gelingt (!), geht also für die Familie die Gefahr des Unterganges Hand in Hand. Wir sind ganz auf dem Wege, gleich den alten Kulturvölkern, durch die Ausmerzung der gesellschaftlich und wirtschaftlich hochsteigenden Familien uns zugrunde zu richten. Diese Gegenauslese zu bekämpfen, ist deshalb die erste Aufgabe der Rassenhygiene, hinter der alles andere zurückstehen muß." — Also: Aus rein biologischen Gründen — infolge des negativen Ausleseprozesses, der die Tüchtigen und Begabten aussterben läßt — muß der Staat zugrunde gehen, wenn nicht die geschilderte Entwicklung aufgehalten wird durch eine Umwertung der ethischen Auffassungen und durch gesetzliche Maßnahmen, wie Reformen des Erbrechtes, der Steuergesetzgebung, des Siedlungswesens, welche die Fortpflanzung der überdurchschnittlich Begabten zu fördern imstande sind. Wenn wir nun in unserer Kritik der heutigen Rassenhygiene zunächst an unsere Bemerkung über ihre Verständnislosigkeit geistigen Realitäten gegen- 258