Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 252 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob getan! Du hast mich angeführt, du hast meine Töchter als Kriegsgefangene fortgeführt! Warum bist du heimlich geflohen, hast mein Liebstes entführt und mir nichts gesagt? Ich hätte dich in Freuden und mit Liedern, mit Pauken und Harfen entlassen". O, dieser zärtliche Vater — es fehlen nur noch die Tränen. Aber dies ist alles nur Einleitung für den großen Trumpf, den er in der Hand zu haben glaubt und mit dem er ganz zum Schluß herausfährt: „Warum hast du meinen Gott gestohlen?" — Über eine solche Anklage ist Jakob höchlich entrüstet und stellt Laban frei, alles zu durchsuchen. „Der, bei dem du deinen Gott findest, soll nicht am Leben bleiben!" Aber leider war der Verdacht nicht grundlos. Rahel war es gewesen, die vor der Flucht aus irgend einem Grunde den T e r a f i m Labans gestohlen und mitgenommen hatte. War sie trotz allem die zärtliche Tochter und wollte sie es dahin bringen, daß der Vater nacheile und sie zum Abschied noch einmal sehe? Als Laban jetzt alles durchwühlt und auch in das Zelt Raheis kommt, hat sie den Teraf im unter ihren Sitz gelegt und entschuldigt sich mit Krankheit, daß sie nicht aufstehen kann, so daß Laban am Ende beschämt dasteht. Was Terafim ist, weiß man nicht. Nur so viel kann gesagt werden, daß man sich darunter etwas wie ein Götzenbild zu denken hat. Daß Laban, trotzdem er den wahren Gott kennt, sich auch mit heidnischen Praktiken abgab, hat er schon früher einmal verraten; so ist er denn in Aufregung, daß ihm sein Abgott abhanden gekommen ist. Das ist wirklich einmal Humor und Spott in dieser Erzählung. Ein Gott, den man stehlen, auf den man sich setzen kann! Laban aber wird durch eben die Tochter betrogen, die er zum Gegenstand eines Betruges gemacht hatte. Zu diesem Diebstahl läßt man sich folgendermaßen vernehmen: „Der Erzähler, der — nach der einen Version — alle Mühe gehabt hat, von Jakob den Betrug fernzuhalten, hat Rahel, die geringere Person, obgleich eine Stammutter Israels, leichten Herzens preisgegeben. Es handelt sich eben durchaus nicht um ritterlich denkende, stolze Menschen, die das Wort „Diebstahl" als größte Beleidigung empfinden, sondern um solche Kreise, in denen viel Unredlichkeit vorkommt. Erklären mag man solche Zustände aus dem Naturell des Volkes (!), aber auch daraus, daß die Sage bei Hirten spielt, wo die Versuchung zum Stehlen (auf einsamer Weide, in Abwesenheit des Herrn, die Tiere schwer zu unterscheiden) sehr groß ist." Eine in jedem Worte klägliche Lebenskenntnis. Gerade dieser Vorwurf des Diebstahls wird von Jakob als besonders ehrenrührig empfunden und mit der stärksten Empörung zurückgewiesen. Nirgends ist Diebstahl 252