Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 251 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Arbeiter nis herbeiführen, das Meer teilen oder Wasser aus dem Felsen locken; es ist nicht das hineingeworfene Holz, das das bittere Wasser süß macht oder bei Elisa das Eisen zum Schwimmen bringt. Nichts aber ist ausschließlicher in Gottes Macht als das Leben und seine Hervorbringung. Jede Geburt ist ein Gotteswunder. Nur Gott kann bewirken, wie er es schon bisher getan hat, daß Labans Tiere gerade gefleckte Junge werfen. Darauf allein vertraut Jakob nach der göttlichen Zusage, indem er sich seinen Lohn von Gott und nicht von. Labans Willkür bestimmen lassen will, und um dies zu bekunden, stellt er, wie die Propheten oft durch seltsame Handlungen die ungläubige Menge auf etwas Kommendes vorbereiten, zur Zeit der Tränke und Brunst die Stäbe hin. Wie immer werden die Leute, die nur Handlungen sehen und bei eintretendem Erfolg die begleitenden Verrichtungen für die verursachenden halten, geglaubt haben, die Stäbe hätten es gemacht, zumal der Volksglaube an das „Versehen" hinzukam. Die Geschichte mit den Stäben gereicht Jakob, dessen Redl ichkeit selbst Laban nicht zu bemängeln weiß, nicht nur nicht zur Unehre, sondern zum Ruhme. Sein Verhalten ist die Bekundung seines starken Glaubens und Gottvertrauens, sein Reichtum der Lohn für seine Treue, die Gott besser würdigt als sein Herr. Wie die verschiedenen Momente zu verteilen sind, ist schriftstellerische Kunst, die z. B. zu starke Belastung der einen Seite vermeidet und sich das Eindrucksvollere für die rechte Stelle vorbehält. Die Teile brauchen nicht mit ausdrücklichen Worten aufeinander zu verweisen, da der Leser ja alles erfährt. So hören wir z. B. auch Einzelheiten der Abmachung erst später. 5. Es ist Jakob nicht entgangen, wie sein wachsender Wohlstand das Mißvergnügen Labans erregt, aber den Ausschlag gibt, daß Gott ihn nach sechs Jahren solchen Dienstes anweist, nunmehr in die Heimat zurückzukehren. Erinnern wir uns, daß Rebekka den Jakob einst mit der Zusage entsandt hatte, ihn, wenn es an der Zeit sei, zurückzurufen, dann sind wir nicht zu kühn^ wenn wir in dem Gottesruf auch die Stimme der Mutter und die Sehnsucht nach ihr heraushören. So bespricht er sich mit seinen Frauen, die sich ganz auf seine Seite stellen und macht sich heimlich mit seiner gesamten Familie und Habe auf den Weg. Laban setzt ihm nach, wird aber in einer nächtlichen Gotteserscheinung gewarnt, mit Jakob unfreundlich zu verfahren. Es kommt zu einem heftigen Wortwechsel, in dem beide ihr Herz ausschütten und der alte Heuchler die längste Rede hält, die wir von ihm, vernehmen: „Was hast du 25t