Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 247

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-08-01
Page
247 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895475-2895479-2898958--02866-2899033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Arbeiter so lange warten müssen, ehe sie vereinigt werden, und Rahel lange kinderlos bleibt. Es gibt noch ein höheres Gesetz als das des Buchstabens. Noch eine andere bisher unbehobene Schwierigkeit glauben wir befriedigend lösen zu können. Jede Namengebung wird von Lea und Rahel mit einem sie deutenden Satze, meist von rhythmischem Gefüge, begleitet. Es ist nun immer aufgefallen, wie in diesen Sätzen die Gottesnamen wechseln. Bei der Bedeutsamkeit der Namen für die späteren Stämme kann dieser Umstand weder zufällig noch unerheblich sein. Bei den ersten hatte Lea den Eigennamen Gottes verwandt: ER hat mein Elend „gesehen" — ER hat „gehört" usf. Alsdann aber tritt dafür ELOHIM ein, bis Rahel ihren ersten Sohn zur Welt bringt. Da spricht sie: „ELOHIM hat meine Schmach von mir genommen und sie nannte ihn Josef: ER wird mir noch einen Sohn «hinzufügen»." Dies ist die Lösung: als Rahel lange kinderlos bleibt, beneidet sie ihre Schwester, die sich mit IHM berühmt, und wünscht sich vor Jakob den Tod. Der aber antwortet ihr verzweifelt: bin ich an Stelle Elohims, der dir Kinder versagt bat?! Aber auch Lea hatte nach vier Söhnen aufgehört zu gebären. Da läßt Rahel, wie einst Sara, ihre Magd für sich eintreten und nennt den einen der beiden von dieser geborenen Knaben Naftali, d. i. Erkämpft, „denn Kämpfe Elohims habe ich mit meiner Schwester gekämpft und obgesiegt". Es sind Kämpfe u m Elohim, ob es wahr ist, daß eine Gottheit ihnen Kindersegen versagt hat, der Lea ferneren und der Rahel gänzlich. Beide hatten verzichtet und gebetet und beide werden erhört, und als Rahel endlich ein Sohn geschenkt wird, da hat Elohim ihre Schmach von ihr genommen und kann sie Josef nach IHM benennen. Der große Kinderreichtum ist ein Zeugnis jenes ursprünglichen Lebenswillens, ohne den ein Volk weder entstehen noch sich behaupten kann, aber es gehört dazu auch der Segen Gottes. Der Wechsel der Gottesnamen aber soll die Aufzählung, die sonst einförmig gewirkt hätte, beleben, und zwar geschieht es durch das bedeutungsvollste Element. Wir werden noch sehen, wie es auch die ganze folgende Erzählung beherrscht. Dem gleichen Zweck dienen die rätselhaften Dudaim, die Rüben seiner Mutter Lea vom Felde bringt und die sie, nicht umsonst, der Rahel auf ihre Bitte überläßt. Zur Erklärung hat man allerlei gelehrten Stoff aus dem verbreiteten Volksglauben von Alraunen, Liebesäpfeln, Liebeszauber u. dergl. herangezogen. Die Sache ist harmlos genug. Das Wort kommt nur noch Ein Mal vor, wie billig im Hohenliede, das von Anfang bis Ende von Liebe durchduftet ist, in dem allein (mehr als dreißig Mal) der Geliebte Dod und die Liebe 247

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.