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Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 245

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-08-01
Page
245 (sequence 7)
Language
German
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Der Arbeiter Kranz an den ländlichen Festen auf grünem Plan. Wie die Wirklichkeit aussieht, erfahren wir von Jakob, als er mit Laban beim Abschied Abrechnung hält: „zwanzig Jahre war ich bei dir, deine Mutterschafe und Ziegen durften nicht fehlgebären und die Böcke deiner Herde habe ich auch nicht aufgegessen; Zerrissenes durfte ich dir nicht bringen, ich hätte es bezahlen müssen, von meiner Hand fordertest du es, ob etwas bei Tage oder bei Nacht gestohlen wurde. Am Tage verzehrte mich die Hitze und die Kälte bei Nacht, und es floh der Schlaf meine Augen!" Dennoch erfreut sich in der Bibel kein Beruf einer höheren Schätzung. Denn kein anderer kann wie er zu humanen Tugenden erziehen. Er hat es mit lebenden Wesen zu tun, die unablässig der Aufsicht, der Wartung und des Schutzes bedürfen. Der Hirt muß ein Herz voll Erbarmen für die Kreatur haben, denn er soll „die Siechen stärken, das Kranke heilen, das Gebrochene verbinden, das Verlaufene zurückbringen, das Verlorene suchen". Für alle muß er denken und sorgen, und auch Mut und Stärke muß er besitzen, um nötigenfalls seine Herde mit eigener Lebensgefahr zu verteidigen, wie David erzählt: wenn ein Löwe oder Bär kam und ein Lamm von der Herde raubte, lief ich ihm nach und schlug ihn und riß es ihm aus dem Maule, und wenn er sich widersetzte, packte ich ihn an der Mähne und schlug auf ihn ein und tötete ihn. In dem Hirten wird der Begriff seine Wurzel haben, der einen der umfassendsten sittlichen Gedanken ausdrückt, der Begriff des Hütens, d.i. der Verantwortung, der Pflicht, des Amtes. Daher gilt der Hirtenberuf als die beste Schule für einen künftigen Führer des Volkes; die beiden größten in Israel, Mose und David, waren Hirten gewesen. Obrigkeit, Prophet, Priester und Lehrer werden gern mit Hirten verglichen. Aber die schönste Würdigung ist es, daß Gott selbst Hirt genannt wird. ER ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln, er läßt mich lagern auf grünen Auen, er führet mich zu stillen Wassern. Er ist der Hüter Israels, der nicht schlummert und nicht schläft, er trägt es wie der Hirt ein Schäflein an seinem Busen. Es ist daher wohlüberlegt, daß, obgleich auch Abraham und Isaak mit Herden zu tun haben, erst Jakob, der Vater Israel, recht eigentlich der Hirt ist Aber so mühevoll der Dienst war, so „waren die sieben Jahre in seinen Augen wie ebensoviele Tage", weil seine Arbeit von der Liebe beschwingt war. Da erlebt er die furchtbare Täuschung: er wird von Laban schmählich betrogen : es ist Lea, die ältere Schwester, die dem Arglosen zugeführt worden war, und, um auch Rahel zu gewinnen, muß er sich dazu verstehen, noch weitere 17* 245

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