Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 3 (August 1928)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 242 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895475-2895479-2898958--02861-2899028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B. Jacob nur unter der notwendigen zeitlichen Voraussetzung: wenn ich es erlebe. „Dann soll ER mir Gott sein", mein höchstes Gut, meine einzige Anbetung** meine Seele und Beseeligung, ich Dein wie Du mein. Daß es dazu komme, daß ER, der Gott Abrahams und Isaaks, nunmehr auch der Gott Jakobs werde, ist der Sinn der Erlebnisse und inneren Entwicklung dieses dritten Erzvaters. Ein solches Leben für Gott kann er aber nur in der Heimat fuhren, nicht in der Fremde. Nicht als ob sich Gott nur in jenem Lande verehren lassen wolle oder daß das Land geheimnisvolle Kräfte in seinem Boden oder seiner Luft besäße, sondern weil er in der Fremde fremden Herren, ja vielleicht sogar fremden Göttern wird dienen müssen. Darum befreit Gott Israel aus Ägypten, daß es frei sei, ihm zu dienen. Darum klagt David: „sie vertreiben mich, daß ich nicht Tischgenosse im Erblande Gottes sei, indem sie sagen,: geh, diene fremden Göttern 1" was man fälschlich als Beweis anführt, daß nach der beschränkten alttestamenüichen Anschauung die Verehrung des israelitischen Gottes ebenso wie seine Macht an den Grenzen Kanaans aufhörte. Darum wird dem abtrünnigen Volke als eine der schrecklichsten Folgen der Zerstreuung in fremde Länder angedroht: „und dort wirst du fremder. Göttern dienen müssen, die weder du noch deine Väter gekannt haben, Holz und Stein I" Was Jakob ferner zu tun verspricht, will nur das neu entstandene Verhältnis zum Ewigen sichtlich darstellen: der Stein soll ein bleibendes Zeugnis* werden, und im Zehnten von allem was Gott ihm geben wird, will er anerkennen, wem er es verdankt, will er den Erwerb und Besitz aus dem Bereich des bloß Irdischen herausheben und unter einen heiligenden Gedanken stellen. Gemeinschaft mit Gott erzeugt unausweichlich Kultus, nicht als Bedürfnis Gottes sondern des Menschenherzens. 2. So darf denn Jakob frohgemutet seinen Weg fortsetzen, und siehe, alsbald begegnet ihm wirklich ein Engel, und wiederum ist es der Brunnen vor der Ortschaft, wo sich das Schicksal zweier Menschen entscheidet. Als er inne wird, wer das Mädchen ist, das dort mit den Schafen daherkommt: Rahel, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, die Schafe die Herde Labans, des Bruders seiner Mutter, da wälzt er ganz allein den für drei Hirten zu schweren Stein von der Öffnung des Brunnens und tränkt die Schafe Labans „des Bruders seiner Mutter". Und Jakoh küßte Rahel und er- 242