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Der Morgen · 1928-08-01 · Heft 3 (August 1928) · p. 241

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 3 (August 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-08-01
Page
241 (sequence 3)
Language
German
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Der Arbeiter Ein heiliger Schauer überkommt Jakob. Das hat er nicht geahnt, als er sich hier schlafen legte, daß Gott an diesem Orte, daß hier das Tor des Himmels sei! Schon dies Bekenntnis ist für seine gegenwärtige religiöse Verfassung bezeichnend. Er weiß von Gott Wie sollte er auch nicht, als Sohn eines Isaak, als Enkel eines Abraham! Aber er war ihm nur erst der Gott des Elternhauses. Das war ihm noch nicht aufgegangen, daß ER sich überall offenbaren und ihn überallhin begleiten könne. Noch lehrreicher aber ist das Gebet, das er am Morgen spricht, nachdem er den Stein, den er sich zu; Haupten gelegt hatte, aufgerichtet und, um ihn als Merkzeichen für eine künftige Heimkehr zu weihen, gesalbt hat. „Und Jakob tat ein Gelübde: wenn Gott mit mir sein wird und mich behüten auf dem Wege, den ich gehe, und mir Brot zu essen und ein Gewand mich zu kleiden geben wird, und ich in Frieden heimkehre in das Haus meines Vaters — dann soll ER mir Gott sein. Und dieser Stein, den ich als Mal errichtet habe, soll eine Gottesstätte sein, und alles was du mir gibst, verzehnten will ich es dir." Das ist das erste Gelübde in der Schrift und sogleich der Gipfel alles Gelobens. Nur gröblicher Mißverstand konnte behaupten, es spräche daraus ein unverfälschter Materialismus, es sei ein Kontrakt, welchen Jakob mit Gott eingeht, eine Anerkennung unter Bedingungen. Oder wenigstens: es sei die naive Denkweise des Altertums, daß man die Gottheit durch die Aussicht auf ein ihr willkommenes Geschenk günstig. zu stimmen hoffte. Aber es wäre doch ein mehr als naiver Vorschlag: gib mir Hundert, dann will ich dir von diesen Hundert Zehn geben! In Wahrheit bekundet das Gelübde Jakobs die höchste Lebensauffassung und eine vollkommene Selbstlosigkeit. Denn was wünscht er sich? Laß mich leben, daß ich Dir leben kann! Es ist der gleiche Geist, in dem die fromme Hanna von Gott einen Sohn erfleht, um — ihn Gott weihen zu können; in dem die Psalmisten um Leben bitten: denn nicht im Tode ist Dem Gedenken, in der Gruft, wer danket Dir? — Nicht die Toten preisen Gott, und nicht, die in die Grube steigen. Es ist die Erkenntnis, daß das Recht, der Wert, der Sinn des Lebens in Dienst und Lobpreis Gottes bestehen. Darum wünscht sich Jakob nur eben, womit er das Leben friste. Es ist die Umsetzung der soeben gehörten göttlichen Verheißung in die demutsvolle Form des nicht an Gottes Verheißung sondern an der eigenen Würdigkeit zweifelnden Gebetes. Auch muß etwas erst Mein geworden sein, ehe ich es weihen kann, und zu dem Meinigen kann es nur Gott, der Geber aller Güter, machen. Es ist also ein bedingungsloses Gelübde, 241

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