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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 196

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Um jüdische Wirklichkeit [Rezension]
Date
1928-06-01
Page
196 (sequence 2)
Language
German
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Paul Lazarus beit der jüdischen Jugend zusammen, auf die der Referent Stahl mit Recht besonderen Wert legt. Für Milderung der sozialen Unterschiede innerhalb der Gemeinde sorgen, mit den wirtschaftlich Schwächeren in Fühlung kommen, bei allen sozialen Bestrebungen der Gemeinde — und wenn möglich auch darüber hinaus (Jugendfürsorge, Waisen- und Krankenpflege usw.) — mitarbeiten, das sollte die jüdische Jugend innerhalb der Gemeinde als ihre Auf gäbe betrachten. Besonders ist zu begrüßen, daß man auf diesem Bundestag offen und ehrlich über die unwürdige äußere und innere Stellung der Gemeindebeamten, des Rabbiners und Lehrers, gesprochen hat. Man war sich darüber klar, daß nur bei einer würdigen Stellung des Rabbiners, als des geistigen Führers der Gemeinde, Leben in die Gemeinde einziehen kann. Denn der Rabbiner steht, nach den Worten Leo Baecks, nicht über der Gemeinde und auch nicht neben ihr, sondern er steht in ihr. Gemeinde und Rabbiner sind in einer „Geschickesgemeinschaft" innigst miteinander verknüpft. Mit Recht aber wurde auch in den Diskussionen auf die Mängel hingewiesen, die bei der heutigen Ausbildung des Rabbiners und des Lehrers noch vorhanden sind und die eine gewisse Weltfremdheit der künftigen Führer der Gemeinden im Gefolge haben. — Auffallenderweise wurde in diesem Zusammenhang nicht von der religiösen Not gesprochen, nicht von der oft langweilenden Art unseres heutigen Gottesdienstes. Auch hier könnte m. E. gerade die jüdische Jugend an einer Verlebendigung des jüdischen Gottesdienstes mitwirken, wie es der Verfasser dieser Zeilen in einem Aufsatz „Die jüdische Jugend im Leben der Gemeinde" (Jugendbundblätter, Jan. 1927) ausführlich dargetan hat. Daß eine wirklich lebendige Gemeinde weit mehr als bisher Bildungsarbeit leisten muß, darüber waren sich alle in Dessau klar. Zweifelhaft erscheint mir nur, ob an den von Stahl vorgeschlagenen Weg — Gemeindeversammlungen u. ä. — wirklich so viel Erwartungen geknüpft werden dürfen. Hier hätte die Errichtung eines jüdischen Lehrhauses, dem ganz selbstverständlich eine jüdische Bibliothek mit Lesehalle angegliedert wird, in den Vordergrund der Erörterungen gestellt werden müssen. Denn von einem richtig geleiteten jüdischen Lehrhaus in Groß- und Mittelgemeinden kann wirklich jüdischer Geist in die Gemeinde getragen werden, weit mehr als es die von Stahl vorgeschlagenen Gemeindeblätter u, a. zu erreichen vermögen. Es ist bemerkenswert, daß die Diskussion die Forderung der jüdischen Schule erhebt, die der Referent Stahl selbst nur im Hinblick auf die Stellung der deutschen Juden in den Linksparteien ablehnt. Wahrscheinlich hat man eingesehen, daß in der augenblicklichen Lage des deutschen Judentums nur Rettung kommen kann von einer jüdischen Jugend, die in einem jüdischen Milieu aufgewachsen, von jüdischer Religiosität ergriffen ist und deshalb die Verantwortung kennt, die jeder junge Jude und jede junge Jüdin der Gemeinschaft gegenüber trägt. — Arthur Lilienthal gibt dann in einem weiteren Referat ein erschöpfendes Bild der Organisation des Preußischen Landesverbandes, dessen Ziele klar herausgestellt werden, und die ja auch die Einheit der 196

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