Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Um jüdische Wirklichkeit [Rezension]
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 197 (sequence 3)
- Language
- German
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Um jüdische Wirklichkeit preußischen und später auch der deutschen Judenheit im Gefolge haben sollen. Ernst Seligsohn sucht mit Recht in seinem Referat „Die Liberalen" das Gewissen der vielen Indifferenten aufzurütteln, um sie an ihre Pflicht zu erinnern, als wahrhaft bewußt liberale Juden Gemeindearbeit, jüdische Arbeit zu leisten. Niemand von diesen sogenannten Liberalen hat das Recht, meint er, auf den "Lorbeeren des alten jüdischen Liberalismus auszuruhen, der so viel für die Gesamtjudenheit geleistet hat. Es wäre zu wünschen, daß diese mahnenden Worte wenigstens einen Teil der liberalen Juden aus ihrem Schlafe weckten und sie zur Mitarbeit an allen gegenwärtigen Problemen brächten. Die liberale Weltkonferenz in London wird von Stahl als erster Schritt vor allem deshalb begrüßt, weil hier die liberalen Juden aus den verschiedenen Ländern zusammengekommen sind, um Stellung zu nehmen zu den brennenden Problemen der Zeit. Auch hier wird wiederum die religiöse Einheit der Judenheit betont. Im Referat von Hirschberg „Der C. V. und wir" werden die Gründe aufgezeigt, aus denen heraus gerade die jüdische Jugend bisher oft nicht mit dem Interesse und der Tatkraft an der Arbeit des C. V. teilnahm, wie es gerade von ihr zu wünschen gewesen wäre. Die im Februar dieses Jahres stattgefundene Hauptversammlung des C. V. aber wird all die Bedenken zerstreut und gerade diese Jugend mit neuem Eifer und lebendigem Interesse für das große Werk des C.Y., das doch wahrlich jüdisch positive Arbeit im höchsten Maße darstellt, erfüllt haben. Ein kurzes Referat von Georg Lubinski, der als Gast an der Tagung teilnahm, über den „Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände" gab Aufschluß über die bedeutungsvolle soziale Arbeit, die der Reichsausschuß zu leisten hat. — Ein kurzer Brief von Franz Rosenzweig an Martin Goldner über die Behandlung des Gottesnamens in seiner Bibelübersetzung bildet den Schluß des überaus anregenden Heftes. Aus all den Referaten, Diskussionen klingt als Leitmotiv der Wille zur Einheit. Gerade wer des zersetzenden jüdischen Parteikampfes der Gegenwart müde ist, wird hoffen dürfen, daß vielleicht doch einmal in ferner Zukunft, von diesem Älterenbund ein „Überbund" innerhalb der Juden in Deutschland erwachsen wird, in dem alle, unbeschadet ihrer Parteizugehörigkeit und ihrer Weltanschauung, in gewissen wichtigen Fragen, die das deutsche Judentum angehen, sich zusammenfinden zu gemeinsamer ersprießlicher Arbeit — Wir empfehlen die Lektüre des Heftes all denen aufs wärmste, denen die Zukunft des deutschen Judentums und des deutschen Volkes am Herzen liegt. 197