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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 195

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Um jüdische Wirklichkeit [Rezension]
Date
1928-06-01
Page
195 (sequence 1)
Language
German
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Um jüdische Wirklichkeit Bericht vom Bundestag des Alterenbundes der Kameraden in Dessau 1927. Im Selbstverlag de« Bundes 1927. Paul Aus dem Wanderbund „Kameraden" hervorgegangen, ist dieser Älterenbund nach den Worten seiner Führer der erste Kreis von deutsch-jüdischen Menschen, die der Kleinarbeit der Jugendbewegung entwachsen sind und die nun um die Aktivierung in den bestehenden großen jüdischen Organisationen ringen. Vom Willen zur praktischen Arbeit dieses Bundes gibt nun auch der vorliegende Bericht vom Dessauer Bundestag, Pfingsten 1927, der bezeichnenderweise „Um jüdische Wirklichkeit" betitelt ist, in überaus interessanter Weise Kunde. Wenn auch eine scharfe Begrenzung des Zieles nicht gegeben, so geht doch aus allem klar hervor, daß dieser Älterenbund in irgend welcher parteilichen Bindung keine Lösung der Judenfrage sieht. Liberale und Orthodoxe, Zionisten und Nichtzionisten, sofern nur die menschlichen Voraussetzungen gegeben sind, arbeiten Schulter an Schulter in diesem Bund mit der Verpflichtung zur schaffenden Anteilnahme am Geschick des deutschen Vaterlandes und mit dem unbedingten Wollen zur Erhaltung des Judentums. Daher wird auch von diesem Bund, der sein Deutschtum als Grundlage, das Judentum als Arbeitsforderung hinstellt, die bedeutsame Tat des Zionismus anerkannt und bewußte Unterstützung des Palästinawerkes gefordert. Wichtiger noch erscheint all das, was auf dem Dessauer Bundestag zum jüdischen Gemeindeleben gesagt worden ist. (Referat Stahl). Klar sieht man ein, daß die jüdische Gemeinde, so, wie sie heute ist, keinen lebendigen Organismus darstellt, sondern eine mehr oder weniger schwerfällige Verwaltungsmaschine, ein politisch eingestellter, mehr oder minder komplizierter Apparat. Deshalb wird als oberste Aufgabe dieser jüdischen Jugend die Verlebendigung der' jüdischen Gemeinde verlangt. Einheit der Gemeinde vor allem! Diese Einheit der Gemeinde, den innigen Zusammenhang unter den Gemeindemitgliedern, will diese jüdische Jugend wieder zu schaffen suchen, und das scheint mir wirklich auch die Hauptaufgabe zu sein. Damit hängt auch die soziale Ar- 195

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