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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 179

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Die Kunst im Judentum und das 2. mosaische Gebot
Date
1928-06-01
Page
179 (sequence 6)
Language
German
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Die Kunst im Judentum und das 2. mosaische Gebot Endlich sei noch eines figuralen Moüves Erwähnung getan, das, wie schon erwähnt, beim Thoraschmuck Verwendung fand und das der Verfasser, als er es zum ersten Male an einem Thoraschild der Meyselsynagoge zu Prag fand, als Unikum ansah. Es stellt in ausgezeichneter barocker Treibarbeit, beiderseits einer Menorah, die Figuren des Aaron und der Judith dar; ersterer im vollen Ornat, letztere mit Schwert und Haupt des Holofernes. Seither hat Verfasser diesen eigenartigen Thoraschmuck wiederholt gefunden, zumeist Moses und Aaron darstellend, ersteren in der Mönchskutte. Auffallend ist, daß dieses figurale Motiv besonders gern von den Ghettogoldschmieden verwendet erscheint, also Juden zu Urhebern hat Nur zwei solcher Schilde mit ausgesprochenem Duktus christlicher Handwerker (Prag und Schweinfurt) sind dem Verfasser bis jetzt bekannt geworden. Zusammenfassend kann man sagen, daß von einer Ausschließung der Kunst im jüdischen Sakralwesen keine Rede sein könne. Eine gute Erklärung für diese Tatsache gibt Güdemann, wenn er sagt: „Wo die Gefahr einer Vergröberung des ängstliph behüteten Spiritualismus ausgeschlossen war, da fehlt es im Volke Israel nicht an Kunstbedürfnis und Kunstfreudigkeit" Eine letzte Frage wäre noch zu lösen: die Stellungnahme des Talmud. Man konnte doch annehmen, daß dieses gigantische Gesetzbuch hier nicht schweigen würde. Allein vergeblich wird man nach einem generellen Verbot suchen. Zwar verbietet der Talmud die Darstellung der visionären Figuren Ezechiels, aber nur als Gesamtbild, als ein Lebewesen, nicht aber die vier einzelnen Tiergestalten, deren sich die jüdische Kunst auch zu allen Zeiten symbolisch bedient hat Besonders eines dieser Tiere, der Löwe, hat in der Kunst der Juden stets eine große Rolle gespielt, selbst in voller Plastik; wohl in Erinnerung an das traditionelle Wappentier Judas. Übrigens sind zwei der Ezechielschen Tiergestalten der frühen christlichen Kunst auch den Evangelisten zugesellt worden. Dennoch verbieten der Talmud und seine Kommentatoren eines: die plastische Darstellung, insbesondere aber jene des menschlichen Antlitzes. So z. B. gebietet der Talmud in scharfsinniger Weise, daß ein Siegelring mit hervorstehender Figur wohl zum siegeln, aber nicht zum Tragen verwendet werden könne; umgekehrt sei das Tragen des Ringes mit eingegrabener Figur gestattet, niqht aber das Siegeln mit diesem. Und an anderer Stelle gebietet er, daß Geräte, auf denen Sonne, Mond oder ein Drachen abgebildet sind, ins 179

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