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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Die Kunst im Judentum und das 2. mosaische Gebot
Date
1928-06-01
Page
180 (sequence 7)
Language
German
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Alfred Grotte: Die Kunst im Judentum und das 2. mosaische Gebot Salzmeer zu werfen seien, während ein Kommentator diese Vorschrift nur auf luxuriöse Gegenstände angewendet wissen will. Auch hierin liegt ein tiefer Sinn. Güdemann kommentiert seinerseits diese milde Stellungnahme des Talmud in geistvoller Weise, wenn er behauptet, eine Kampfansage gegen die plastische Kunst sei nur im Altertum nötig gewesen, als die Darstellung der Göttermythen vielfach einen entsittlichenden Einfluß zu üben drohte und die Veranlassung zu sinnberauschenden unsittlichen Kulten geben mochte. Mit dem Fortfall dieser Gefahr brauchte auch das Verbot nicht so strenge durchgeführt werden. Dieser Gedankengang äußerte sich von den ältesten Zeiten des Volkes Israel bis tief ins Mittelalter. Und wir sehen, daß sich erst dann eine gewisse Kunstentfaltung zeigen konnte, als jede Gefahr gegen die Verflachung des Spiritualistischen gebannt war. Aber auch dann erst und überall dort, wo eine Konsolidierung der politischen Stellung der Juden bei ihren Gastvölkern durchgeführt war: im alten Maurenreiche und in Polen. Wenn aber in letzterer großen Judensiedelung diese Überschreitung des zweiten Gebotes besonders augenfällig in Erscheinung tritt, so mag man dies als bewußtes Zeichen der Stärke deuten; man wollte dartun, daß an dem starren Felsen des Glaubens; kein noch so starker Wellenschlag der Kunst Spuren hinterlassen könne, daß diese vielmehr, in den Dienst des Glaubens gestellt, ihn mit dem Gefühlsleben des wahrhaft Gläubigen nur innerlich verbinden müsse. Aus dem Bildverbot aber — wie Gurlitt es tut — eine Kunstfeindlichkeit abzuleiten, ist verfehlt Auch hier gibt Güdemann die richtige Antwort, wenn er sagt, das Verhältnis der Kunst zum Volke Israel sei vielmehr die Erkenntnis des menschlichen Unvermögens, das Göttliche im Bilde auszudrücken, also zugleich die Erkenntnis der ihr gezogenen Grenzen. 180

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