Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Die Kunst im Judentum und das 2. mosaische Gebot
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 178 (sequence 5)
- Language
- German
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Alfred Grotte Diese Andeutung der Gestalt des HERRN ist aber nicht vereinzelt In den Synagogen zu Rawitsch und Rogasen finden wir am heiligen Schrein zwei Hände, die in Wolken verhüllt, den Dekalog halten. — Figurales weisen auch vielfach die Kohanim-Waschgeräte auf; so besonders die 1694 von Mendes gestiftete Silberkanne in Amsterdam, die Begegnung Jacobs mit Joseph darstellend, sowie die Schüssel mit der Königin von Saba vor Salomon. Eine kleine Schale zeigt Venus, der der goldene Apfel angeboten wird. Auch im Zülzer Silberschatz fehlt es nicht an Figuralem. Endlich sei aus der Fülle des bekannt gewordenen Materiales noch auf eine 1600 für Danzig gefertigte Synagogenkronc verwiesen, die ringsum vollplastische Darstellungen, u. a. Adam und Eva aufweist Weniger bedenklich mögen die Darstellungen von allerlei Getier in den polnischen Synagogen erscheinen, wobei die Verwendung der exotischen Fauna überrascht Man führt sie auf armenische Einflüsse zurück; auch erklart man diese Tiergestalten als Symbole für die Tugenden der Gerechten. Was die jüdische Kunst hier an Selbständigkeit in Dekor und Auffassung geleistet, ist beachtenswert und als eine der künstlerisch wertvollsten Epochen im Judentum überhaupt zu betrachten. (Synagogen von Jablonow, Chodorow1) usw.) Natürlich wurde diese skrupellose Außerachtlassung des göttlichen Gebotes nicht seitens aller Rabbiner gebilligt Während Rabbi Ephraim ben Joseph z.B. jede Art Tiermalerei zuläßt mit dem Hinweis: „... daß jede Furcht vor götzendienerischer Anbetung doch jetzt ausgeschlossen sei..." eifert R. Eljakim ben Joseph aus Mainz gegen Bilder von Löwen und Schlangen in den Glasfenstern der Kölner Synagoge, und der berühmte Mose or Sarua gegen Bilder von Bäumen und Vogelgestalten an den Wänden der ehemaligen Synagoge zu Meißen. R. Meir von Rothenburg, der Zeitgenosse Rudolfs von Habsburg, verbietet die Ausmalung von Gebetbüchern aus Furcht vor Ablenkung der Betenden.2) In ähnlichem Sinne denkt auch Maimonides. Bekannt ist auch der Bildersturm der Pharisäer, von denen Josephus berichtet, sie hätten die Königlichen Siegel am Heiligtum heruntergeschlagen, weil sie das plastische Bild des Adlers enthielten, obwohl nicht feststeht, ob hier nicht auch national-reaktionäre Motive maßgebend gewesen waren. x) Interessanterweise ist es gerade ein Schüler Meirs, der der Illuminator einer prächtigen Machsorhandschrift ist, die sich in der Breslauer Universitätsbücherei befindet (M.Pleßner). 2) Synagogentypen vom XI. bis XIX. Jahrh. (Dissert.-Schrift Danzig). Berlin io,i5, 178