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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 165

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
165 (sequence 16)
Language
German
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Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpclitik Dafür wurde den Juden gestattet, die öffentlichen Schulen zu besuchen — Volksschulen und Gymnasien existierten meist nur auf dem Papier —, auch durften sie eigene Schulen eröffnen. Denjenigen, die sich dem Ackerbau oder dem Handwerk widmen wollten, wurden sogar Vergünstigungen verheißen. Nur hatten die Urheber dieses weisen Gesetzes nicht bedacht, daß es für eine Bevölkerung von über einer halben Million — und um so viel handelte es sich — unmöglich ist, sich im Verlaufe von drei, vier Jahren vom Schankfwirt und Molkereipächter in einen Bauer, Handwerker oder Akademiker, vom Dorfbewohner in einen Stadtmenschen zu verwandeln. Das neue Gesetz bedrohte also die halbe jüdische Bevölkerung Rußlands mit dem förmlichen Ruin. Je näher der i. Januar 1807 heranrückte, desto mehr wurde Petersburg von Gesuchen überflutet, die den Aufschub des verhängnisvollen Gesetzes verlangten. Allein, es petitionierten nicht bloß die Juden, sondern auch die Großgrundbesitzer, deren Schenken und Gastwirtschaften durch den Wegzug der jüdischen Pächter wertlos wurden. Nichts half, die Austreibung der Juden wurde rücksichtslos in Angriff genommen. Aber Anfang Februar 1807, just in dem Augenblick, als das Synhedrion in Paris seine Beratungen eröffnete, überreichte der Minister des Innern, Fürst Kotschubey, dem Zaren Alexander einen Rapport, in dem er die Notwendigkeit hervorhob, „die Übersiedlung der Juden aus den Dörfern in die Städte und Städtchen aufzuschieben, um diese Nation davor zu bewahren, daß sie den Intentionen der französischen Regierung zum Opfer falle". Der in den russischen Juden sich immer mehr ansammelnde Groll ob ihres bevorstehenden Ruins wäre geeignet gewesen, „der tückischen Agitation Napoleons den Boden zu bereiten und einen Herd antirussischer Gesinnung gerade in den Gegenden zu schaffen, die jeden Tag zum Kriegsschauplatz werden konnten". Die Austreibungen wurden tatsächlich aufgeschoben. Alexanders Gesinnung wandelte sich sogar, und die neue Stimmung hielt einige Jahre vor.1). Gleichzeitig empfahl der Minister des Innern den Gouverneuren, darüber zu wachen, daß die Juden in keinerlei Berührung mit dem Synhedrion in Paris kamen, und den Juden bei jeder Gelegenheit einzuprägen, daß Bonaparte ein Feind der jüdischen Religion war, daß seine geheimen Absichten dahingingen, mittels des Synhedrions in Paris die jüdische Religion im Sinne der extremen x) Die Austreibungen wurden übrigens ebenso ein halbes Jahrhundert später unter Nikolaus I. in Angriff genommen, aber, wie es scheint, auf Intervention Moses Montefiores und der Königin Victoria eingestellt. 165

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