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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 163

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
163 (sequence 14)
Language
German
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Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik alle Juden niederzumetzeln. Die beiden Rabbiner ergriffen Gegenmaßregeln, sie forderten sämtliche Juden der Stadt auf, sich zu einem Gebet vor der* Tempelmauer zu versammeln um den Schutz des Himmels gegen den Feind herabzuflehen; nach dem Gottesdienste unterbreiteten sie der Militärverwaltung einen Plan, die Festungswerke auszubessern, Schanzen aufzuschütten und einen neuen Graben auszuwerfen- Alle erwachsenen Juden beteiligten sich an der Arbeit unter Anführung des Chacham Baschi und seines Vertreters, die selber Hand anlegten. Die Mohammedaner konnten keinen besseren Beweis für die Grundlosigkeit der Beschuldigung gegen die Juden haben. Und da sie stets von einer ehrfürchtigen Scheu für deren Gebete vor dem Allerheiligsten erfüllt waren, so schrieben sie es ihrer Wirkung zu, daß Napoleon dicht vor den Toren Jerusalems den Rückzug antrat Wenig fehlte jedoch und die Juden von Jerusalem hätten es mit ihrem Blute bezahlt, daß ihre Glaubensgenossen im fernen Westen eine Weile von der Gunst der französischen Revolution beschienen wurden. (Diese Begebenheiten sind verzeichnet in dem hebr. Jahrbuch „Jerusalem" von A. M. Luncz, 1905, S. 198 und 208.) * * * Napoleon war übrigens der erste, der sich bemühte, die Juden, dieses „brachliegende Feld", für seine Zwecke nutzbringend zu verwenden. Gewiß versprach er sich größeren Erfolg, als er dadurch erreichte. Aber die Juden fühlten seine Versuche, sie als Instrumente seiner Weltpolitik zu benützen, in gewissen Fällen sehr schmerzlich. Als Napoleon im Frühjahr 1806 ein jüdisches Parlament (oder „Notablen- Versammlung") einberief, und dieses auf Veranlassung des Kaisers an die Glaubensgenossen aller Länder Aufrufe versandte, in denen der Zusammentritt des „großen Synhedrions" von 70 Mitgliedern nach altem Muster angekündigt wurde, das die Gesamtjudenheit repräsentieren sollte, herrschte große Freude unter den Juden. Wir wissen heute, daß diese gewaltigen internationalen Haupt- und Staatsaktionen, die mit so vielem Tamtam angekündigt und mit soviel Pomp ausgeführt wurden, keine nennenswerte Spur in der jüdischen Geschichte zurückgelassen haben. Aber das Geschlecht von damals erlebte es, daß der mächtigste Kriegsherr seiner Zeit und aller Zeiten, der Kaiser, der vor ihren Augen Staaten zermalmte und aufbaute, Throne zertrümmerte und aufrichtete, Könige ab- und einsetzte, daß Napoleon sich ihrer annahm, mit ihnen rechnete, sie aus der Niedrigkeit hervorzog, und ihnen Sitz und Stimme im Rate der Völker gab. Ein unbeschreibliches Gefühl des Lebensmutes und der 163

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