Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 162 (sequence 13)
- Language
- German
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B. Segel litten viel Not und der Pascha von Akko bedrängte sie häufig. In dem genannten russischen Konsul erwuchs ihnen ein Fürsprecher und Beschützer; er lieh ihnen sogar Geld und auch für die kleine verwandte Gemeinde, die 1812 in Jerusalem gegründet worden war, verwendete er sich bei den Behörden und bei einflußreichen Privatpersonen. Als die Juden von Palästina wieder einmal, wie dies in früherer Zeit oft geschah, Abgesandte nach Polen und Litauen schickten, um Unterstützungsgelder und Almosen zu sammeln, verkündeten sie das Lob des russischen Wohltäters, und die Juden von Wilna schickten ihm einen warmen Dankbrief nebst einem schwungvollen hebräischen Gedicht, verfaßt von dem berühmten Adam Lebensohn (siehe seine „Schire sephath kodesch", I, S. 166—9). Diese auffällige Anteilnahme des russischen Diplomaten an dem Schicksal der palästinensischen Juden, die in einem schroffen Gegensatz stand zu der Behandlung, die man ihnen in der Heimat angedeihen ließ, erscheint uns in rechtem Lichte, wenn wir bedenken, daß Rußland damals zu einem Krieg gegen die Pforte rüstete. Davon hatten natürlich die armen Menschen in Safed und Jerusalem ebensowenig eine Ahnung, wie ihre Glaubensgenossen in Wilna. Es konnte den Russen wenig schaden, auf alle Fälle durch kleine Geldunterstützungen und gute Worte sich unter den Juden in Palästina Freunde zu machen. Möglich, daß der Gedanke hierzu mittelbar durch diese lächerliche Affaire des Salomon Plonski eingegeben wurde. Jedenfalls hat die freundschaftliche Anbiederung vonseiten einer mit der Türkei kriegführenden Macht diesmal für die Juden in Palästina keine schlimmen Folgen gehabt Anders im Jahre 1798, als Napoleon seinen Zug nach Ägypten und Syrien unternahm. Die erste französische Republik hatte die Menschenrechte verkündet und die Juden emanzipiert Dadurch hatte sie sozusagen ein Anrecht auf die Dankbarkeit aller Juden der Welt erworben, sogar der palästinensischen, obgleich diesen alle Revolutionen und Emanzipationen und alles, was damit zusammenhing, ein Greuel war. Dem napoleonischen Heere ging der geschickt verbreitete Ruf voraus, daß alle geknechteten und verfolgten Menschenklassen, darunter natürlich die Juden, sehnsüchtig darauf warteten, von ihm befreit zu werden. Unter der mohammedanischen Bevölkerung von Jerusalem verbreitete sich die Überzeugung, die Juden stünden in heimlicher Verbindung mit dem heranrückenden Feinde und trieben Spionage in seinem Interesse. Ein den Juden freundlich gesinnter Türke setzte den Chacham Baschi Rabbi Jomtob Algazi und seinen Stellvertreter Rabbi Mordechaj Josef Mejuchas in Kenntnis, daß es beschlossene Sache war, sobald Jerusalem belagert würde, 162