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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
161 (sequence 12)
Language
German
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Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik Liebedienerei haften. Und als General Nikolaus Karlowitsch von Schilder die Biographie Alexanders verfaßte, zu einer Zeit, als man in Petersburg bestrebt war, die Polen vollends zu versöhnen, schrieb er hämisch: „Als die russischen Heere in Polen einmarschierten, begrüßte sie niemand als Befreier. Nur die Juden aller kleinen Städtchen, die am Wege lagen, kamen heraus, mit bunten Fähnchen, die die Chiffre des Zaren trugen, unter Begleitung von Musikkapellen." Was aber der General von Schilder zu bemerken unterließ, ist, daß sich beim russischen Heer zwei jüdische Heere&- lieferanten aus Litauen befanden, die den Auftrag hatten, ihren polnischen Glaubensgenossen klarzumachen, daß der allmächtige Zar aller Reussen und nunmehr auch baldige König von Polen, der Zerschmetterer Napoleons, der Herr über Leben und Tod vieler Millionen dringend wünschte, die Juden sollten seine einmarschierenden Truppen recht herzlich und ostentativ willkommen heißen. Was es bedeutete, einen solchen „Wunsch" nicht zu erfüllen, wußten die Juden nur zu gut Der Biograph Alexanders I. bekräftigte hier abermals nur die von der russischen Historiographie mit Eifer ausgebildete Theorie, daß die Juden ihrer Natur nach es stets mit dem Stärkeren halten und ihm gerne helfen, den Besiegten zu unterdrücken. Es wäre interessant zu untersuchen, auf welchen Wegen diese Anschauung in die deutsche Geschichtsschreibung übergegangen ist, die doch von der russischen sonst wahrlich nicht viel zu lernen hatte. Kein Geringerer als Mommsen hat sie sich zu eigen gemacht und das Wort geprägt, die Juden seien ein „national dekompositorisches Element", in den Händen jeder herrschenden Macht stets ein williges Instrument zur Vernichtung der unterworfenen Nationalitäten. Diese These war eine der stärksten Waffen in den Händen des Antisemitismus Ende der siebziger Jahre gegen die deutschen Juden. Mommsen gab sich später alle Mühe, die Wirkung dieses Wortes abzuschwächen. * * * Wenn im Jahre 1821 ein russischer Staatsmann auf die Idee kam, die jüdischen Palästinapilger könnten die Türkei gegen Rußland aufwiegeln, so finden wir einige Jahre später einen umgekehrten Gedankengang. Der russische Konsul in Akko (St Jean d'Acre), Antonio Kalliphagi, fing um das Jahr 1825 urplötzlich an, sich der Juden in Galiläa mit auffälligem Eifer anzunehmen. In Safed, Tiberias und anderen Ortschaften bestanden kleine, sehr arme Gemeinden, gegründet von Pilgern überwiegend aus Polen und Litauen, die von der „Chalukka" und anderen aus der Heimat zufließenden Almosen lebten. Sie 161

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