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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 159

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
159 (sequence 10)
Language
German
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Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik Interessen hintanzusetzen. Die Juden in den Dorf ern waren womöglich politisch noch unentwickelter und verständnisloser als in den Städten; sie wohnten unter den Bauern und ermangelten jenes moralischen Haltes, den eine städtische Gemeinde mit ihrem regen Verkehr und ihren religiösen Belehrungen bietet Die jüdischen Schankwirte konnten also viel leichter der russischen Suggestion erliegen, zumal ihnen das Denunziantentum als eine patriotische Pflicht vorgespiegelt wurde, die sie dem legitimen Herrscher Empörern gegenüber leisten sollten. Wohl nie ist das Prinzip „Divide et Impera" nichtswürdiger angewendet worden. Seit jener Zeit nahm die Erörterung über die Judenfrage in der polnischen Publizistik einen gehässigen, vergifteten Ton an, der ihr bis dahin fremd gewesen war. Vormals wurde darüber gestritten, wie man die „Fehler der Juden" verbessern und sie zu „nützlichen Mitbürgern" erziehen sollte, wobei man nur über die Wahl der Mittel verschiedener Meinung war. Fortab galt es, das Vaterland vor der „jüdischen Gefahr" zu schützen, den „inneren Feind" los*- zuwerden, der den Fortbestand und die Unabhängigkeit der Nation bedrohte. Hatte trotz der intensiven Wirksamkeit Nowosilzows die Revolution von i83i, entgegen den Tendenzen ihrer verbohrten hochadligen Führer, von einigen Zwischenfällen abgesehen, eine Aussöhnung zwischen Juden und Polen gebracht, die bis zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts anhielt, so ist das der Lebensnotwendigkeit zu verdanken, die die beiden Völkerschaften zwang, sich schließlich miteinander zu vertragen. An Verhetzungen von russischer Seite hat es nie gefehlt, gelungen sind sie aber erst in unserer Zeit, infolge des Zusammenwirkens mehrerer äußerer Umstände. * * Als im Jahre 1812 Napoleon seinen Feldzug gegen Rußland unternahm, verhielt sich die eingeborene Bevölkerung der russischen Grenzgebiete, durch die die französische Armee marschierte, sehr verschieden. Die litauischen und weißruthenischen Bauern blieben gleichgültig, die höheren Stände, namentlich die katholischen und die polnischen, jubelten den Franzosen entgegen. Die Juden Litauens und Weißrutheniens stellte sich entschieden auf Seiten Rußlands. Seit vierzig Jahren war das Land dem Zarenreich einverleibt, bereits die dritte Generation kannte also den Zaren als den legitimen Herrscher. Es war nur natürlich, daß die Juden, so weit sie nicht ausgesprochen polnisch orientiert waren, in Napoleon den Landesfeind sahen, den zu bekämpfen ihre Pflicht war. Dazu kam, daß das Oberhaupt der litauischen Chassidim, der sehr 159

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