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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 158

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
158 (sequence 9)
Language
German
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B. Segel ununterbrochene Fortsetzung dieser harten Maßregel und verteidigte sie energisch gegen die Einwendungen Czartoryskis, Potockis und Czackis, die sie bekämpften. Er setzte es durch, daß in Wilna den Juden die Ansiedlung in den Hauptstraßen verboten wurde. Aber als es sich i8i4 darum handelte, den Juden die Ausübung des Schankgewerbes in den Dörfern zu verbieten, war Nowosilzow viel milder. Diese Frage wurde in Polen seit mehreren Jahrzehnten erörtert Die damaligen Nationalökonomen sahen in den jüdischen Schankwirten das Hauptübel der Zeit, mit dessen Beseitigung der Wohlstand der Bevölkerung aufblühen würde. Nur dachte niemand daran, den tausenden von Familien, die dieses Gewerbe ausübten, beizeiten ein anderes Erwerbsgebiet zu erschließen. In der Praxis ließ sich natürlich die Brotlosmach ung einer so zahlreichen Volksklasse nicht kurzer Hand durchführen, ohne die ganze Volkswirtschaft zu erschüttern. Darum wurde die Frage immer wieder von der Tagesordnung abgesetzt Aber auf Betreiben des Ministers Grafen Manteuffel, eines heftigen Judenfeindes, hatte die Regierung des Königs von Sachsen als Herzogs von Warschau, mit dem Dekret vom 3o. Oktober 1812, einer der letzten ihrer legislatorischen Handlungen, festgesetzt, daß vom 1. Juli 1814 ab den Juden die Erzeugung und der Verkauf von Getränken auf dem Lande für immer verboten sein solle. Das bedrohte viele Hunderte jüdische Familien mit dem vollständigen Ruin. Als inzwischen infolge der Besetzung Polens durch die Russen Nowosilzow unumschränkter Machthaber in Warschau geworden war, nahm er die Sache sofort in die Hand. Die Juden gerieten in Verzweiflung. Es wurde zunächst ein allgemeines Fasten, zweimal in der Woche, drei Wochen hintereinander, angeordnet, um die Gnade des Himmels gegen das böse Verhängnis zu erflehen. Die durch die Entbehrungen ersparte Summe aber wurde auf hondertzwanzigtausend polnische Gulden ergänzt und Nowosilzow eingehändigt: der Senator ließ sich erweichen, die Sache der Be>- drohten vor den Thron seines allerhöchsten Herrn zu führen. Er betrachtete die Angelegenheit von hoher staatsmännischer Warte und wußte, ihr politische Bedeutung beizumessen; er machte geltend, daß es für die russische Politik von großer Wichtigkeit wäre, die jüdischen Schankwirte in den Dörfern zu belassen, sie aber dazu anzuhalten, die Umtriebe der Polen, welche sich hauptsächlich auf dem Lande organisierten, um das Joch Rußlands abzuschütteln, auszuspionieren und den russischen Behörden zu denunzieren! Um dieser Dienste willen lohnte es sich schon, die schwerwiegenden volkswirtschaftlichen 158

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