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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 157

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
157 (sequence 8)
Language
German
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Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Wellpolitik der anderen christlichen Balkanvölker zu benutzen, um der Türkei den Todesstoß zu versetzen und das russische Kreuz auf der Hagia Sophia aufzupflanzen. Inzwischen war aber in seiner Politik eine entschiedene Umkehr eingetreten; er wendete sich von allem ab, was mit Revolution und Aufstand zusammenhing, und verschob den Plan, Konstantinopel zu erobern, auf eine spätere Epoche. Der Aufstand Ypsilantis und was darauf folgte kam ihm sehr ungelegen, er war zu einer Aktion im Orient weder vorbereitet noch aufgelegt, und mittlerweile konnte England eingreifen und aus der ganzen Bewegung, zum Schaden Rußlands, Nutzen ziehen. Man war also in Petersburg sehr nervös und geneigt, überall Intrigen zu wittern. In London wurde damals die Emanzipation der Juden erörtert, England spielte sich überall als deren Beschützer auf; konnte es nicht hier die Hand im Spiele haben, um von demselben Odessa aus, wo Rußland einst gegen die Türkei Ränke spann, jetzt mit Hilfe der Juden und ihrer Verbindungen in Palästina gegen Rußland zu intrigieren? Nowosilzow tat, als hätte er die Hauptfäden eines feingesponnenen Netzes in Händen, trat bei der Regierung als Wächter des Staates auf und flößte zugleich der Warschauer Jadengemeinde eine heillose Angst ein. Wer den Bildungsgrad der polnischen und der palästinischen Juden jener Zeit kennt, weiß, daß sie, ohne Zeitungen und ohne jegliche Weltkenntnis, von den politischen Vorgängen keine Ahnung hatten, daß ihnen die Emanzipation der englischen Juden wie ihre eigene vollkommen gleichgültig war und daß ihnen nichts ferner lag, als sich in die diplomatischen Händel zu mischen. Der arme Salomon aus Plonsk wurde ein halbes Jahr in Untersuchungshaft gehalten und unendlich langen Verhören durch Nowosilzow persönlich unterworfen. Endlich berichtete der Großfürst Gonstantin Mitte März 1822 in einem Rapport an den Kaiser, es habe sich herausgestellt, daß gegen den Inhaftierten nichts vorliege. Mit seiner Freilassung wolle er aber noch bis zur Entscheidung seiner Majestät warten. (Inzwischen starb Salomon im Gefängnis.)!) So verstand der „Judenfreund" Nowosilzow seine Schützlinge bei jeder Gelegenheit in die auswärtige Politik hineinzuziehen. In der inneren Politik zeigte er ein doppeltes Gesicht Als im Jahre 1807 Alexander I. eine Kommission einsetzte, um über die Ausweisung der Juden aus den Dörfern zu beraten, die damals in den russischen Provinzen im Gange war, verlangte Nowosilzow die x) Ausführlich erzählt von Prof. S. Ashkenazy in seiner Studie: „Der erste polnische Zionist". 11" 157

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