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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
156 (sequence 7)
Language
German
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B. Segel die Juden dem türkischen Reich, als dem Herrn Palästinas, sehr gewogen zu sein. Sie behaupten, daß der Sultan ihnen erlaubt habe, eine Synagoge wieder aufzubauen gegen Bezahlung einer Dispens. Polnische Juden, die in Palästina wohnen, also Untertanen Eurer Majestät, haben, wie wir sehen, auf eigene Faust, ohne Vermittlung ihrer vorgesetzten Staatsbehörde, mit der türkischen Regierung verhandelt Diese ihre besondere den Türken entgegengebrachte Zuneigung ist sehr verwandt mit Untreue gegen ihren rechtmäßigen Herrscher und könnte unter gewissen Umständen zu wirklichem Hochverrat werden. In Odessa wohnen zweitausend Juden; sie unterhalten einen ständigen Briefwechsel mit den von ihnen unterstützten Juden in Palästina, sicherlich aber auch mit ihren Glaubensgenossen in Konstantinopel: diese ihrerseits dienen ihnen offenbar als Vermittler. Muß man nicht voraussehen, daß die zweitausend Juden in Odessa eine gefährliche Armee von Spionen bilden können, wenn Umstände eintreten sollten, unter denen sie Gelegenheit haben würden, ihre Dienste den Türken zu verkaufen?" So wuchs der arme Kleinkrämer aus Plonsk, der in seinem 70. Lebensjahre eine Pilgerfahrt nach dem Heiligen Lande unternahm, unter Nowosilzows Händen zu einer gefährlichen Staatsperson, weil er aus Palästina ein paar Dutzend Bettelbriefe von Almosenempfängern an Verwandte und Wohltäter mitgenommen hatte, in denen die Rede war von dem Aufbau einer alten Synagoge, von dem dafür entrichteten üblichen Bakschisch und von den Gebeten, die an den Gräbern der Heiligen verrichtet werden, daß der Messias „bald in unseren Tagen" kommen möge. Der Kaiser, der Senat, das Ministerium, der Generalstab beschäftigten sich mit diesen hochwichtigen diplomatischen Dokumenten. Seit Jahrhunderten wanderten alte Juden aus der ganzen Welt nach Palästina aus, um dort begraben zu werden. Tausende derartiger Briefe wurden nach Europa und überallhin geschrieben, aber nur jenen, die Salomon aus Plonsk mitgebracht und die in Nowosilzows Hände gefallen, war die Ehre beschieden, im Petersburger Staatsarchiv aufbewahrt zu werden, als Beweis für den scharfen Spürsinn der russischen Bureaukratie. In Petersburg hatte man indessen kein ganz reines Gewissen. Im Frühjahr 1821 war nämlich der Griechenaufstand unter Ypsilanti ausgebrochen; bald stand ganz Griechenland und die Hälfte der europäischen Türkei in Flammen. Alexander I. hatte in früheren Jahren die Vorbereitungen zu diesem Aufstande begünstigt In Odessa hatte unter seinem Schutz die griechische „Hetairia" ihren Sitz aufgeschlagen, er plante, eine Erhebung der Griechen und 156

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