Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 154 (sequence 5)
- Language
- German
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B. Segel Gegenstand der Erwägung in Petersburg. Nikolaus I. beschloß gleich nach seiner Thronbesteigung, sie durchzuführen. Es ist bekannt, daß die Militärpflicht unter diesem Zaren für die Juden zu dem schrecklichsten der Schrecken geworden ist und nur mit den ärgsten mittelalterlichen Greueln verglichen werden kann. Der Zar unterbreitete den Plan dem Großfürsten Konstantin< als dem Oberbefehlshaber der Armeen in Polen und Litauen, und dieser forderte von Nowosilzow ein Gutachten ein. Nowosilzow ließ die Juden in Litauen (Polen war vorläufig von dem Plan ausgeschlossen) wissen, daß er gegen ein Geschenk von 60 000 Rubeln sich unterziehen wollte, sie für immer von der drohenden Gefahr zu befreien. Die Juden veranstalteten in allen Gemeinden ein zweiwöchentliches Fasten für Jung und Alt, sammelten die gewünschte Summe und übergaben sie dem Protektor. Dieser jedoch wußte genau, daß niemand imstande war, den Zaren von dem einmal gefaßten Beschluß abzubringen. Er zögerte daher mit der Ablieferung seines Gutachtens solange, bis der Ukas an alle Gubernialbehörden in den betreffenden Provinzen ergangen war, die Juden schon bei der nächsten Rekrutierung ausmustern zu lassen. Erst dann lief im Kriegsministerium der Bescheid des Großfürsten Konstantin ein, begleitet von dem Gutachten Nowosilzows, in welchem dieser entschieden davon abriet, die Juden zum Militärdienst heranzuziehen: Die Zeit hiezu wäre noch nicht gekommen, man müsse diesen Schritt stufenweise vorbereiten, die Juden könnten auf andere Weise der Regierung wertvolle Dienste leisten und hätten dies schon vielfach getan; schließlich betonte er: „daß die allgemeine politische Lage in Europa es nicht erlaubte, durch eine derartige Maßregel ein so tückisches und rachsüchtiges Volk wie die Juden zu reizen". Diese wurden als politisch gefährlich hingestellt Das kam alles post festum. Nowosilzow aber weigerte sich, auch nur einen geringen Teil der Bestechungssumme zurückzuerstatten. (Ausführlich erzählt von einem seiner Mitarbeiter, einem hohen Beamten im russischen Ministerium des Innern, im „Russkij Archiv" 1872, S. 1751/7.) Die Juden als politisch gefährlich hinzustellen und ihre Überwachung als ein hochwichtiges Staatsinteresse erscheinen zu lassen, bemühte sich ihr Beschützer auch bei einer anderen Gelegenheit Im Herbst 1821 wurden in dem sog. schwarzen Kabinett zu Warschau, das unter Nowosilzows Leitung die gesamte eingehende Post zu kontrollieren hatte, zwei Briefe eines polnischen Juden namens Salomon aus Plonsk, eines Palästina-Pilgers, an seinen Schwiegersohn in Warschau beanstandet Im ersten, der aus Konstantinopel 154