Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 152 (sequence 3)
- Language
- German
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B. Segel gesicherten Bürgerrechte gewahrt bleiben; besondere Bestimmungen werden die Bedingungen festsetzen, unter denen ihm eine erweiterte Teilnahme an den politischen und staatlichen Rechten gewährt werden soll". Aber in der endgiltigen Fassung der Konstitution des Königreiches war dieser Artikel verschwunden. Die Juden Polens ermangelten dazumal jeglicher politischer Schulung und hatten keine Ahnung von dem Gang der Staatsangelegenheiten hinter den Kulissen. In Nowosilzow sahen sie den allmächtigen Vertreter des legitimen Königs von Polen (als welcher der Zar sich später krönen ließ),, dem die polnischen Großen feierlich gehuldigt hatten, dessen intimer Freund der Fürst Gzartoryski, das anerkannte politische Oberhaupt der polnischen Nation war und der überdies bei jeder Gelegenheit den Judenfreund spielte,, sogar den ihm von Czartoryski vorgestellten jüdischen Mathematiker und Mechaniker Abraham Stern leutselig empfangen und ausgezeichnet hatte. Nowosilzow verschaffte ihnen Audienzen bei Alexander und seinem Bruder Constantin, dem Vizekönig von Polen, verfaßte für sie Bittgesuche in französischer Sprache, von deren Inhalt sie, des Französischen unkundig, nur eine sehr vage Vorstellung hatten und die allerlei Beschwerden und Anklagen gegen die Landesregierung enthielten und in der Versicherung gipfelten, daß die jüdische Bevölkerung Polens in dem Zaren und seinen Petersburger Ministern ihre alleinigen Schutzherren gegen jegliche Bedrückung erblickte. Daß diese Bittgesuche in Bezug auf die darin enthaltenen konkreten Wünsche gar keinen oder nur einen geringen Erfolg hatten, erklärte Nowosilzow den Juden damit, daß die Landesregierung deren Wirkung hintertrieb. Sobald ihnen ein Schein von Glück lächelte, nahm er das Verdienst für sich und die Petersburger Gunst in Anspruch und — forderte dafür reichlichen, klingenden Dank ein. Gleichzeitig sorgte er dafür, daß diese Bittschriften den polnischen Kreisen bekannt wurden und ihnen bewiesen, welche Gesinnung die Juden ihnen gegenüber hegten. In Petersburg aber hatte man den Beweis in Händen, daß in Polen ein beträchtliches Element vorhanden war, das den polnischen Regenten gegenüber von Mißtrauen erfüllt war und sich nach direktem Petersburger Schutz sehnte; den Polen wurde hingegen der Glaube beigebracht, daß sie allen Grund hatten, vor den Juden auf der Hut zu sein. So wurde Zwietracht und verbitterter Argwohn zwischen den Bewohnern des Landes gesät und das sollte dem russischen Gewalthaber in gegebener Stunde zugute kommen, als es galt, denlf Rest der Selbständigkeit des Landes ein Ende zu machen. Divide et impera!\ 152