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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 151

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Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
Date
1928-06-01
Page
151 (sequence 2)
Language
German
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! B. Segel: Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik wurde eingesetzt, zu dessen Präsidenten der General-Gouverneur Lanskoj ernannt wurde; die wirkliche Macht jedoch ruhte in den Händen des Senators Nikolaj Nikola je witsch Nowosilzow. Diesem Nowosilzow gebührt ein besonderes Blatt in der neueren Geschichte der Juden, nicht nur der polnischen. Er war freilich nicht der Erfinder des Prinzips, die Juden im Kampfe gegen die übrige Landesbevölkerung zu mißbrauchen, aber weder vor ihm noch nach ihm ist dieses Prinzip so skrupellos angewendet worden wie er es tat Er vereinigte in sich tartarische Heimtücke mit moskowitischer Brutalität Da er ein Trinker und ein Prasser war und viel Geld verbrauchte, war er in einem selbst für russische Verhältnisse ungewöhnlichen Grade bestechlich; mehr noch, er erschlich und erpreßte die Bestechungen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln. (Er stand denn auch bei Alexander I. und Nikolaus dem L in hoher Gunst, erklomm die obersten Stufen der Leiter russischer Staatswürden und starb in Petersburg i838 an den Folgen seiner Ausschweifungen, tief betrauert von seinem Herrn.) Sofort nach der Besetzung Polens konfiszierte er förmlich die dortigen Juden für sich und seinen Monarchen, machte sie zu einer reichen Einnahmequelle für seinen ewig leeren Geldbeutel und gab sich alle Mühe, durch sie Zwietracht in die Bevölkerung des unterjochten Landes zu bringen. Er setzte sich also gleich mit den Ältesten der Warschauer jüdischen Gemeinde in Verbindung und gab ihnen zu verstehen, daß sie von der Landesregierung nichts, aber alles von ihm, dem allmächtigen Vertreter des obersten Herrn in Petersburg, zu erhoffen hätten; es sei demnach für die Juden ratsam, sich in allen Angelegenheiten an ihn zu halten, widrigenfalls die Juden sich das Mißfallen des Gebieters zuziehen und dann schutzlos dastehen würden. Alexander der I. schillerte bekanntlich in den ersten Jahren seiner Regierung sehr liberal. Es hieß sogar, daß er auf dem Wiener Kongreß der Fürsprecher der Juden vor den deutschen Teilnehmern war — mit welchem Erfolg, ist übrigens männiglich bekannt Sein vertrauter Ratgeber in allen das künftige Königreich Polen betreffenden Dingen war der vornehme und wohlwollende Adam Czartoryski, der auch anfänglich zum Vizekönig von Polen bestimmt war, aber durch die heimlichen Ränke Nowosilzows verdrängt wurde. In den Leitsätzen für die künftige Verfassung des Königreichs Polen, die Alexander schon in Wien am 2 5. Mai i8i5 unterschrieb, befand sich der sehr liberal klingende Artikel 36, welcher die Juden betraf und folgendermaßen lautete: „Dem jüdischen Volke werden alle ihm durch die gegenwärtigen Gesetze und Einrichtungen zu- 151

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