Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Article
- Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 150 (sequence 1)
- Language
- German
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Juden als unfreiwillige Werkzeuge der Weltpolitik Blicke in die Geschidite des 19. Jahrhunderts Von B. Segel Im Mittelalter galt die Lehre „Judaei natio regia"; die Juden des Landes waren gewissermaßen Privatbesitz des Herrschers, eine Sache, über die er rechtens verfügen durfte. An diese Lehre wird man erinnert, wenn man sieht, daß der Eroberer eines Landes oder einer Provinz die darin vorgefundenen Juden als eine Art Staatseigentum betrachtet, von welchem er kraft des Siegerrechtes Besitz ergreift, gleich, wie wenn es sich um Salinen oder um ein Gestüt handelte. Sie werden aus der Masse der anderen Einwohner herausgehoben, ausgesondert, häufig unter dem Vorwand, es solle ihnen ein besonderer Schulz angediehen oder gar eine Gunst erwiesen werden. In Wirklichkeit geht man darauf aus, die Juden von der übrigen Bevölkerung zu isolieren und sie als Sturmbock zu gebrauchen. Divide et impera! Dadurch wird der Haß gegen die Juden dort wachgerufen, wo er nicht existiert, und wo er vorhanden ist, zur lohenden Flamme entfacht Im Kampfe gegeneinander schwächen sich beide Teile um so leichter und werden um so leichter unterjocht Ist dieses Ziel erreicht, dann versöhnt sich der Sieger mit dem Besiegten nur allzu schnell und gibt ihm die Juden preis; nachdem das Werkzeug gebraucht worden, wird es fortgeworfen. Ein paar konkrete Beispiele aus der Geschichte des 19. Jahrhunderts mögen für viele dienen und das Gesagte illustrieren. Gegen Ende des Jahres 1812, nach dem Zusammenbruch der großen Armee Napoleons, besetzten die Truppen des Zaren Alexander L das damalige, 1807 auf dem Tilsiter Frieden gegründete Herzogtum Warschau und machten der sachsischen Regierung daselbst ein Ende. Der oberste Provisorische Rat 150