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Der Morgen · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. 134

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Article
Rahel
Date
1928-06-01
Page
134 (sequence 17)
Language
German
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Margarete Susman endlich erhält die im Schatten und in der Dürre verschmachtende große Blume Nahrung, reiche überschwängliche Nahrung, die sie durstig eintrinkt Niemals wurde ihr Varnhagens Bewunderung zuviel. Wir erschrecken zuweilen über das Übermaß von Bewunderung, das sie erträgt Sie erträgt es, weil sie .es braucht, weil es sie heilt, weil es in ihrem Leben ein Surrogat dessen war, worauf ihr Leben von früh auf gestellt war: der großen Liebe. Ein Wort wie das Varnhagens: „O Rahel, wie bist du! Ich versenke mich in Nachdenken über dich! Aus welchen Quellen hat dich die Natur geschöpft? Sie eröffnete tausend Kristallbrunnen, tausend Flammenhöhlen, ich müßte in jede hinabgehen, um dich zu ergründen; deine Sinne, deine Gedanken, deine Herzensempfindungen sind Riesenblüten der Natur in das Zwergengeschlecht der Geschichte gedrängt" — ein solches Wort mag Rahel, der niemals wahrhaft erschlossenen, nur gerecht, nur wahr erschienen sein. Sie selbst wurde ja nicht müde, das Wunder ihres eigenen Seins anzustaunen. Alle Schönheit, alle Fülle, alle lebendige Wahrheitskraft ihres Wesens, all sein Blühen und Brennen, seine Kraft und Seligkeit läßt sie in immer neuen Flammengarben vor sich selbst und vor den anderen aufschießen. Aber wenn uns dies oft fremd berührt — in diesem Selbstgenuß Eitelkeit oder Verschiebung der Maße zu sehen, wäre falsch. Wirklich zu verstehen ist diese Haltung Raheis doch erst im Zusammenhang mit Äußerungen von ganz anderer Art wie dem qualvollen Aufschrei: „Nie kann mein Gemüt in schönen Schwingungen sanft einherfließen, wozu dies Schöne in der Tiefe meines geistigen Seins wie in den tiefen Eingev/eiden der Erde verzaubert liegt 0 Gott! jede Äußerung — und je kräftiger sie ist! — ein Schmerz! . . . Wie richtig, Geliebter — und wie traurig! — vergleichst du mich — wie überaus witzig! nie hat man etwas erschöpfend Ähnliches über mich gesagt!! — vergleichst du mich einem Baume, den man aus der Erde gerissen hat, und dann seinen Wipfel hineingegraben; zu stark hat ihn die Natur angelegt! Wurzel faßt der Wipfel, und ungeschickt wird Wurzel zu Wipfel! Das, Lieber, leider! leider! bin ich." — Niemals hat Rahel aufgehört die ursprüngliche zentrale Verletzung ihres Wesens zu beklagen. Und so erkennen wir in jener alten Wunde die wahre Quelle ihrer Selbstvergötterung wieder. Im Kern getroffen vermochte sich ihr Leben nur aus der schrankenlosen eigenen und fremden Anerkennung ihres Wertes wieder aufzubauen. So ist sie von tiefer Dankbarkeit gegen den erfüllt, der ihr Leben von seinem Zentrum her wieder aufgerichtet hat „Du bist der Einzige in der Welt, der mich liebte, der mich behandelte wie ich andere", schreibt sie an Varn- 134

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