Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Schriften zur religiösen Lage der Zeit [Rezension]
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 94 (sequence 2)
- Language
- German
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Julius Goldstern Gesichtskreises bedeutet, als z. B. der französische Protestantismus, den Gott noch durch ganz andre Trübsalsnöte hindurchgeführt hat als unsern deutschen1), besonders viel an Bildern, heldenhafter evangelischer Treue bis in den Tod bietet. So wurde darum nicht nur Deutschen, Niederländern, Schweden, Balten und Österreichern, sondern auch Engländern, Franzosen, neben Tschechen, Madjaren, Spaniern usw. ein Raum in dieser stillen Gedächtnishalle des Protestantismus eingeräumt ... Der Weltkrieg kann zwar Weltkongresse und Weltkonferenzen zerstören, aber er kann nicht den Gedanken töten, daß der Protestantismus eine Weltmacht ist." * Der 4- Band der Gesammelten Schriften von Ernst Troeltsch enthält unter dem Gesamttitel „Aufsätze zur Geistesgeschichte und Religionssoziologie" (J. C. B. Mohr, Tübingen 1925) alle jene Arbeiten, die Troeltsch in verschiedenen Zeitschriften viele Jahre hindurch veröffentlicht hat. Der Herausgeber dieses Sammelbandes, Dr. Hans Baron, hat in der Zusammenstellung und Sichtung des reichen Stoffes eine wertvolle Arbeit geleistet. — Jedesmal, wenn man ein Werk von Troeltsch zur Hand nimmt, staunt man über den Reichtum des verarbeiteten Materials und ist erfreut über die frisch zupackende Art dieses energischen Kopfes. Nichts Spielerisches und Geistreichelndes ist hier zu finden: Ein sittlicher Ernst durchwaltet das Ganze, hie und da verklärt von einem sich selbst ironisierenden Humor. In dem Eingangsaufsatz „Meine Bücher", geschrieben 1922, spricht Troeltsch davon, daß er hoffe, einige Aufsätze, die er später neu herausgegeben habe, seien auch etwas leichter und eleganter geworden. „Wie ich denn überhaupt die Angst vor den deutschen Kollegen, man könne sich durch zu starke Betonung der literarischen Form kompromittieren und als unwissenschaftlich für viele Ehren ungeeignet machen, immer mehr zu überwinden gesucht habe." Der Herausgeber bezeichnet die hier zusammengestellten Arbeiten als „materiale Geschichtsphilosophie". Ob diese Bezeichnung zutrifft, ob überhaupt eine derartige Disziplin heute noch möglich ist — die Etikette ist gleichgültig angesichts der Tatsache, daß in den mannigfaltigen Themen dieses Bandes eine Erfassung des europäischen Geistes, beginnend mit dem „Ethos der hebräischen Propheten", versucht wird, wobei sich die begriffliche Analyse des Philosophen mit dem zusammenschauenden Blick des Historikers glücklich vereinigt. Erhöht wird das Interesse noch dadurch, daß der Herausgeber die kleineren Besprechungen von Troeltsch in den Band mit hineingenommen hat. Sie haben den Reiz einer gewissen Unverblümtheit des Urteils; Sympathien und Antipathien sprechen sich hier unmittelbarer aus. Aktuelles und Prinzipielles verschlingen sich zu innerer Einheit. Die Zusätze und Ergänzungen, die Troeltsch selbst in die Handexemplare seiner Arbeiten eingetragen hat, finden sich in dem Bande zusammengestellt. Unter diesen Zusätzen beansprucht ein besonderes Interesse diejenigen zum Aufx) „Ak Ganres betrachtet ist die französische Kirchengeschichte eine Märtyrergeschichte, wie keine zweite . . ." (p. t5s). 94