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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Schriften zur religiösen Lage der Zeit [Rezension]
Date
1928-04-01
Page
93 (sequence 1)
Language
German
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Schriften zur religiösen Lage der Zeit Von Julius Goldstein Im folgenden sei auf eine Reihe von Schriften hingewiesen, deren Lektüre wertvolle Aufschlüsse über Fragen des sittlichen und religiösen Lehens geben. Den stärksten Eindruck hatte ich von Michael Guttmann: „Das Judentum und seine Umwelt'' (Philoverlag Berlin 1927). Ich verweise hierzu auf den trefflichen Aufsatz von J. Heinemann in Heft 6,3. Jahrgang, dieser Zeitschrift. Die Unterscheidung von ethischem Universalbmus und Kirchenuniversalismus mit allen historischen Einsichten, die daraus folgen, dürfte für das Verständnis der Religionsgeschichte eine endgültige Erkenntnisbereicherung sein. Ihre Auswirkung braucht allerdings Zeit. Dieses Buch könnte auch in mancher Hinsicht die Misere unserer Lehrbücher für den religiösen Unterricht in den höheren Schulen beheben. Die Gemeinden sollten dafür sorgen, daß dieses Buch von Guttmann obligatorisch für den Religionsunterricht der Oberklassen eingeführt wird. Geradezu als eine Bestätigung der Unterscheidung von Kirchenuniversalismus und ethischem Universalismus empfand ich die Arbeit von Otto Michaelis: „Protestantisches Märtyrerbuch" (2. er- - weiterte Auflage. Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart 1927). Es enthält Bilder und Urkunden der evangelischen Märtyrergeschichte aus vier Jahrhunderten. Zahlreiche edle und fromme Menschen erlitten den Flammentod, weil sie in einigen Punkten vom Glauben der herrschenden Kirche abwichen. Es liegt mir nicht ob, hier zu richten; ich stelle nur fest, daß die Forderung, alle Menschen müßten und könnten die gleiche Art des religiösen Erlebens haben und damit auch den gleichen Kultus, daß diese Forderung die Scheiterhaufen entzündet hat. Bemerkenswert weit ist der Kreis der protestantischen Märtyrer. Nach der heute üblichen Rassentheorie müßten die protestantischen Märtyrer sich nur im germanischen Nordeuropa finden. Der Verfasser entschuldigt sich fast in der Einführung zur 1. Auflage 1917, daß er sich nicht entschließen konnte „mit verbundenen Augen an allem vorüberzugehen, was die evangelische Kirchengeschichte fremder Länder, auch solcher, mit denen unser deutsches Volk eben in furchtbarem Ringen kämpft, an großartigen Erweisen evangelischen Martyriums bietet. Es hätte dies um so mehr eine durch keinerlei Vaterlandsliebe zu rechtfertigende Verengung des 93

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