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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Die berufliche und soziale Schichtung der Juden in Argentinien
Date
1928-04-01
Page
88 (sequence 5)
Language
German
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Arturo Bab Wer übrigens das Unglück hat. im Amerika kastellanischer Zunge einen Prozeß führen zu müssen — das Wort heißt im Spanischen „un pleito" und macht in dieser Beziehung seinem Rufe alle Ehre — bedarf außer eines Anwalts noch eines sogenannten „procurador" für den technischen Teil seiner „Pleito". Unter den 4oo „procuradores" von Buenos Aires gibt es 20 Juden und unter den 120 von Rosario 5. Außerhalb dieser Orte ist im Lande nur noch ein einziger Jude bekannt, obgleich es grade in den mittleren und kleinen Orten von diesen Leuten, die neben den Heuschrecken eine der größten Landplagen sind, geradezu wimmelt. Denn bei den niederen Gerichten können die „Aves negros" (schwarze Vögel) oder Pica pleitos" (Prozeßhetzer), wie das Volk diese Herrschaften nennt, die Prozesse allein führen. Das fast vollständige Fehlen der „procuradores" jüdischen Glaubens außerhalb der beiden erwähnten Universitätsstädte erklärt sich daraus, daß sie meist ihre Tätigkeit nicht als Lebenszweck betrachten, sondern als vorübergehenden Broterwerb, und zur gleichen Zeit in der juristischen Fakultät immatrikuliert sind. Wie der juristische Beruf bietet die Ingenieurkarriere den jungen Leuten wenig Wahrscheinlichkeit, sich eine Existenz zu gründen. Nicht daß sich zu dieser Laufbahn wie zu dem Architektenberufe die alt eingesessenen Kreolen besonders drängen, sondern weil Argentinien, wo bisher weder Kohlen noch Eisen gewonnen Averden, nur eine ganz unbedeutende eigene Industrie besitzt, während die meist in englischen Händen befindlichen Eisenbahnen fast ausschließlich Söhne Albions auf ihren höheren Posten beschäftigen. Was die Architekten betrifft, so wird in Stadt und Land zwar viel gebaut. Die große Mehrzahl der Häuser, namentlich in den kleineren Orten, besitzen nur ein Erdgeschoß, so daß sie jeder Maurerpolier oder Bauunternehmer, unter denen sich zahlreiche Juden befinden, errichten kann. Für die größeren Bauten gibt es bereits einen Überfluß an Architekten, und man sagt, daß nur diejenigen einen pekuniären Erfolg haben, die selbst ein stattliches Vermögen besitzen, um die Bauten auf eigene Rechnung zu unternehmen oder Vorschüsse zu leisten. Trotzdem ist die Zahl der jüdischen Ingenieure und Feldmesser innerhalb der letzten 17 Jahre von i4 auf 55 gestiegen; l\i unter £oo (also über io<y0) leben in Buenos Aires, 2 von 33 in Rosario. Baumeister gab es 1909 nur 7, jetzt i5, die mit 2 Ausnahmen in Buenos Aires leben. Da es in Argentinien erst seit kurzem eine besondere höhere Lehrerkarriere gibt, so werden die Lehrkräfte für die „colegio nacional" — dieses entspricht ungefähr einer deutschen Realschule — aus den übrigen akademischen Berufen genommen, die die Lehrtätigkeit oft nur als Nebenberuf treiben. So unterrichten1) Chemiker und Apotheker in naturwissenschaftlichen Fächern, Advokaten in Geschichte und in spanischer Sprache, *) Das Studium der Chemie ist in Argentinien die Erweiterung der Apothekerkarriere. Es gibt daher eine Anzahl Dr. der Chemie, die Apotheken besitzen. Bei dem Mangel an Industrie ist für den Chemiker als solchen wenig Bedürfnis. 8$

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