Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Die berufliche und soziale Schichtung der Juden in Argentinien
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 86 (sequence 3)
- Language
- German
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Arturo Bali i4o Fiunilien mit 812 Köpfen. Eine Anzahl Diplom-Agronomen fallen wegen ihrer geringen Anzahl nicht ins Gewicht, sollen aber nebenbei erwähnt weiden, zumal sie zitm Teil bei staatlichen Behörden oder Privatgesellschaften häufig wichtige Posten bekleiden. Es leben also in Argentinien x3,070/0 der jüdischen Bevölkerung, d. h. 27 i54 Seelen von Landwirtschaft. Wenn diese Anzahl auch im Steigen begriffen ist, so geht sie doch prozentual zurück, denn 1909 beschäftigten sich 16 4oo Einwohner, die aber 220/0 der Israeliten repräsentierten, mit Ackerbau. Von einer anderen Seite betrachtet, befinden sich von den 119 999x) landwirtschaftlichen Betrieben Argentiniens 2.55 0/0 in jüdischen Händen, die unregelmäßig auf die verschiedenen Provinzen verteilt sind. Denn während es z. B. in den Kordillerenprovinzen fast gar keine jüdischen Farmer gibt, ist deren Anteil in der östlichen Provinz Entre Rios 90/0 aller Wirtschaften. Die städtische jüdische Bevölkerung verteilt sich räumlich in folgender Weise: 80000 Seelen in der Hauptstadt Buenos Aires mit 2 Millionen Einwohnern, 20 000 Seelen in Rosario mit froo 000 Einwohnern und der Rest von 72 856 Seelen in den vier anderen Großstädten (Cordoba, Santa Fe, La Plata undAvellaneda haben über 100000 Einwohner) und den zahlreichen Mittel- und Kleinstädten. In den Ortschaften, welche sich innerhalb der geschlossenen Kolonien gebildet haben, bilden die Juden mit Ausnahme von Basavilbaso in der Kolonie Lucienville immer die Mehrzahl der Bevölkerung. Es leben im Ganzen in 16 derartigen Marktflecken Juden und 5x^6 Nichtjuden, welche der Konfession nach Katholiken, Protestanten. Orthodoxe oder Mohammedaner sind. Aber auch die in der Nähe derartiger Siedlungen befindlichen Orte haben 20 bis 25o/o jüdischer Einwohner, wie z. B. Carlos Casares und Bernasconi. Letzteres Städtchen hatte vor kurzem einen jüdischen Bürgermeister (Intendente municipal), einen Kolonisten der benachbarten Kolonie „Narcisse Levin'*. Alkaden, Friedensrichter und ähnliche Ehrenämter findet man häufig jüdischen Mitbürgern anvertraut. Während, wie wir gesehen haben, die Beteiligung der Juden an der Landwirtschaft prozentualiter fällt, steigt die der Akademiker, Schriftsteller und Künstler beträchtlich, und wird in den nächsten Jahren noch viel mehr anschwellen. Während es nämlich im Jahre 1909 an allen argentinischen Hochschulen nur 6/i Studenten jüdischen Glaubens gab, beträgt ihre Zahl zurzeit schätzungsweise 4ooo unter 4o 000 Matrikulierten. Während aber fast alle jüdischen Studenten ihre Studien mit einem bestandenen Examen beendigen, kommen erfahrungsgemäß von den christlichen hur etwa 70%, das sind wenig über 25 000 zum Ziel. Unter den ins praktische Leben tretenden Akademikern befinden sich also schon heute x5o/o Juden, deren Anzahl in den nächsten Jahrzehnten zweifellos noch stark steigen wird.1) Aber bereits heute ist die Zahl der jüdischen Akademiker im Verhältnis zur Bevölkerung bedeutend. Teils aus angeborener Neigung, teils aus der Notwendigkeit, bald zu Brot zu kommen.!) Laut offiziellen Daten des Statistischen Amtes des Landwirtschaf t«-Mniisteri«mis. 86