Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 85

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Die berufliche und soziale Schichtung der Juden in Argentinien
Date
1928-04-01
Page
85 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895475-2895477-2898654--02651-2898768
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Arluro Bab: Die berufliche und soziale Schichtung dc-r Juden in Argentinien Bevölkerung Argentiniens zur selben Zeit etwa zehn Millionen beträgt, so repräsentieren die Juden etwa zwei Prozent der Bevölkerung., d. h. im Verhältnisse die doppelte Anzahl wie in Deutschland. Die Einwanderer gehörten bis zum Wellkriege mit wenigen Ausnahmen den unteren sozialen Schichten Rußlands und Rumäniens an. Sie waren von Berufx) zu 900/0 Kaufleute, zu 8V2% Handwerker, während alle übrigen Beschäftigungen — eine Anzahl Bauern und Landarbeiter aus den südrussischen jüdischen Kolonien, vereinzelte Ärzte, einige Kultusbeamte — nicht mehr wie 1/20/° aus" machten. Während des Krieges stockte erklärlicherweise die Einwanderung fast gänzlich, und nach demselben gehören die Mehrzahl der jüdischen Immigranten dem verarmten Mittelstande der von Rußland und Österreich an Polen und Rumänien abgetretenen Landesteile an. In der ganzen Zeit fand eine nicht sehr zahlreiche aber stetige Einwanderung der Sefardim statt, deren Muttersprache bekanntlich ein altertümliches Spanisch ist. Vereinzelt befinden sich auch unter den fälschlich „Türken" genannten einwandernden syrischen Arabern (meist Mohammedaner., bisweilen Christen vom Libanon) Juden arabischer Zunge, die sich aber meist mehr zu ihren Landsleuten wie zu ihren Glaubensgenossen halten. Man kann rechnen, daß von den heute in Argentinien lebenden Juden 920/0 osteuropäischen Ursprungs, 70/0 Spaniolen sind, während die restlichen 10/0 aus Mittel- und Westeuropa (von Beruf überwiegend Kaufleute) das Gesamtbild wegen ihrer geringen Anzahl nicht beeinflussen. Argentinien ist neben Palästina wohl das einzige Land der Erde, in dem sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der Juden (13,570/0) der Landwirtschaft widmet.2) In den geschlossenen jüdischen, von der Jewish Colonization Association gegründeten Kolonien, welche sich in fünf verschiedenen Provinzen oder Nationalterritorien befinden, gibt es auf 2833 Farmbetrieben 3654 Familien mit 20 382 Seelen. Dazu kommen noch 436 jüdische landwirtschaftliche Arbeiterfamilien mit 3339 Seelen (einschließlich einer Anzahl unverheirateter Arbeiter). Das wären also 4090 Familien mit 23721 Seelen und durchschnittlich 5,8 Köpfen auf die Familie. Es gibt aber außer diesen Siedlungen in Argentinien noch in fünf Provinzen oder Territorien, in denen sich als Besitzer oder Pächter zahlreiche Juden niedergelassen haben, so daß sie das Bevölkerungsbild typisch beeinflussen. Es sind dies im Ganzen an 400 Wirtschaften, also in Anlehnung an die Verhältnisse in den geschlossenen Kolonien 452 Familien mit 2621 Seelen. Das anfangs erwähnte Adreßbuch führt aber noch — und zwar höchst wahrscheinlich unvollständig — 123 jüdische Landwirte auf, die allein oder in Gruppen bis zu fünf in fast allen Provinzen zerstreut zwischen christlichen Bauern wirtschaften. Nur vier derselben sind als Gutsbesitzer bezeichnet, alle anderen sind Kleinsiedler. Das wären also Einschließlich der Sefardim, der Mittel- und Westeuropäer. -) Bei den geschlossenen jüdischen Kolonieen dient mir als Beleg der Bericht der Generaldirektion der Jewish Colonization Association zu Buenos Aires für das Jahr 1925. Für die fünf nicht geschlossenen Siedlungen habe ich Erkundigungen bei dem „Bund jüdischer Landwirte" in Argentinien eingezogen. 85

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.