Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Die Aufgaben der Enquete-Kommission
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 77 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Aufgaben der Enquete-Kommission Die Debatten um den neuen Zolltarif hatten im Jahre 1926 zum ersten Mal den Gedanken der Einsetzung eines solchen Untersuchungsausschusses erzeugt Vor Annahme dieser Zollnovelle hatte der handelspolitische Ausschuß des Reichstages beschlossen, die Reichsregierung zu ersuchen, beim Reichstag einen Ausschuß zur Prüfung der Grundlagen der deutschen Gesamtwirtschaft einzusetzen. Der Reichstag stimmte am 12. August 1925 diesem Antrage zu, und der Reichswirtschaftsrat forderte gleichzeitig, daß „durch eine umfassende Erhebung über die Produktions- und Organisationsbedingungen der deutschen Wirtschaft die nötigen Grundlagen für die Handels¬ und Preispolitik geschaffen werden". Der Verein für Sozialpolitik hatte ebenfalls in einer Eingabe an die Reichsregierung verlangt, sie möge durch eine genaue Erforschung der Zusammenhänge von Arbeitszeit, von Arbeitslohn und Arbeitsleistung versuchen, die Fragen über die tagliche Arbeitszeit zu klären, um damit die sozialen Kämpfe zu mildern. So kam es schließlich zu der Vorlage eines Gesetzes über die Einsetzung einer Enquete-Kommission, das am i5. April 1926 vom Reichstag angenommen wurde. Am 7. Juni 1926 trat dieser Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen in Berlin im Reichswirtschaftsrat zusammen. Die Aufgabe war dieser Enquete-Kommission schon in ihrem Namen gegeben. Sie sollte berufen sein, sich mit den Gründen und Auswirkungen der Krise, die über die deutsche Wirtschaft hereingebrochen war, zu beschäftigen, wie es der Reichswirtschaftsminister in seiner Begrüßungsrede ausführte. Sie sollte auch „ein Gesamtbild der deutschen Wirtschaft" geben. Irgendwelche näher begrenzten Ziele waren der Kommission nicht gesteckt. Ebenso wenig wie es ihre Aufgabe sein konnte, etwa zu ermitteln, welchen Einfluß die kommunistische Propaganda auf die Arbeitsleistung haben könne, ebenso wenig sollte sie feststellen, ob jüdischer Einfluß sich bei der Gestaltung des deutschen Handels oder der Wirtschaft bemerkbar mache. Fragen der Weltanschauung mußten außerhalb der Untersuchung bleiben. Die Zugehörigkeit zu einer Konfession konnte die Erhebungen in keinem einzigen Falle beeinflussen. Diese Enquete-Kommission war auch in Deutschland nicht die erste, die einberufen wurde. Nach dem Vorbild der Enqueten in England, dem klassischen Lande derartiger Untersuchungen, wo sie für die Erforschung wirtschaftlicher Vorgänge Vorbildliches geleistet haben, setzte man in Deutschland ebenfalls derartige Ausschüsse ein. Aber ihre Untersuchungen beschränkten sich bis- 6" 77