Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Die Aufgaben der Enquete-Kommission
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 76 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kiwi Zielenziger stische Material stützen und die vorliegenden Monographien heranziehen, aber sie hat die Möglichkeit, durch die Befragung von Sachverständigen und durch die Auswahl von Zeugen und Interessenten ebenso wie durch die Untersuchung an Ort und Stelle eine Vertiefung des Fragenkomplexes herbeizuführen, die anderen Untersuchungsmethoden versagt ist Die Enquete-Kommission, die den Vorteil der staatlichen Autorität genießt, wird auch gewisse Erscheinungen des wirtschaftlichen Geschehens herausgreifen müssen, und jede Auswahl ist subjektiv bedingt. Aber das subjektive Urteil kann durch die Vergleichungen vieler ähnlicher Fälle stark abgemildert werden. So wird es der Enquete gelingen, einen Idealtypus aufzustellen, der als maßgebend für gleiche Ereignisse angesehen werden kann. Das ist leichter bei einer Enquete, die sich auf ein bestimmtes, eng umgrenztes Wirtschaftsgebiet beschränkt, sehr viel schwieriger aber bei einer Erhebung, wie sie zur Zeit in Deutschland angestellt wird. Denn der Aufgabenkreis der deutschen Enquete-Kommission ist ungeheuer groß. Wenn der Ausschuß auch „zur Untersuchung der Erzeugungs¬ und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft" eingesetzt worden ist, so sind doch diese Bedingungen so mit der ganzen deutschen Wirtschaft verflochten, daß es kaum einen Problemkreis gibt, der außerhalb der Betrachtungen bleiben kann. Bei dieser Fülle des Materials wird also die richtige Gewinnung des Idealtypus von größter Bedeutung für den Erfolg der Enquete sein. So nähert sich die deutsche Enquete-Kommission stark wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden. Das ist besonders interessant, weil die Männer, die diesen Ausschuß bilden, zum Teil nach rein politischen Prinzipien ausgewählt worden sind, infolgedessen alle Weltanschauungen vertreten und, wenn auch vielleicht unbewußt, mit vorgefaßter Meinung ihre Arbeit aufgenommen haben. In der Rede, mit der Reichs wirtschaftsminister Dr. Curtius die feierliche erste Sitzung der Enquete-Kommission eröffnete, verwies er auf die Einleitungssätze der englischen Enquete-Richtlinien, in denen es heißt: „Der Ertrag einer Enquete hängt in weitem Umfang von der Art und Weise ab, wie sie geleitet wird, von dem gesunden Menschenverstand derjenigen, die damit befaßt sind, und von ihrem Willen, bei allen Untersuchungen der ihnen unterbreiteten Fragen harmonisch zusammen zu wirken. Eine Enquete wird für die Fortentwicklung von Verwaltung und Gesetzgebung nur geringe Ergebnisse zeitigen, wenn die von ihr benutzten Beweismittel ausschließlich dazu verwandt werden, um Vorurteile zu bekräftigen, bereits festgestellte Ansichten zu unterstreichen oder um Sonderinteressen zu unterstützen." 76