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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Die Aufgaben der Enquete-Kommission
Date
1928-04-01
Page
75 (sequence 2)
Language
German
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Kurt Zieleuziger: Die Aufgaben der Enquete-Kommission Handelsbeziehungen und die ungeheure Last der Zahlungsverpflichtungen an die ehemaligen Feinde. Die sozialen Umwälzungen, die schon der Krieg verursacht und der Umsturz gefördert hatte, wurden schließlich von der Inflation vollendet. Die deutsche Wirtschaft schien jetzt auf dem Kopfe zu stehen. Dann brachte die Stabilisierung der Mark und die Deflation eine schwere Krise. Aufs neue wurde durch sie eine Umschichtung des Volkes vollzogen: Millionen von Arbeitslosen sammelten sich in den Städten. Viele,, die sich noch in der Inflation als Millionäre gefühlt hatten, waren über Nacht zu Bettlern geworden. Aber auch außcrhalbDeulschiands halten sich grundlegende Wandlungen vollzogen. Der Krieg hatte den Gedanken des Nationalismus, der ihn beherrschte, durch die Entstehung neuer Staaten verwirklicht. Mit den neuen Grenzen waren aber neue Zoll-Linien entstanden. In den neuen Staaten aber auch in den alten, waren neue Industrien emporgekommen. So mußten sich die deutschen Absatzverhältnisse völlig neu gestalten. Es handelte sich also bei allen diesen Veränderungen nicht um gewöhnliche Konjunkturwandlungen, sondern um Verschiebungen, die die Struktur der gesamten deutschen Wirtschaft maßgebend beeinflußten. Mit der Annahme des Londoner Abkommens im August 192/i und dem Inkrafttreten des Dawes-Planes begann eine allmähliche Erholung: die Grundsteine zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft konnten gelegt werden, die schwierige Frage der Reparationen war wenigstens provisorisch geklärt. Es fehlte nur noch an einem scharf umrissenen Programm für die Neugestaltung der deutschen Wirtschaft nach innen. Viele Ärzte standen am Krankenbett des deutschen Patienten: jeder verordnete ein anderes Rezept. Aber welches war das richtige? Es war unmöglich, daß die Arbeiten der Forscher mit den sich fortwährend überstürzenden Veränderungen in der Wirtschaft Schritt hielten. Das bisher vorhandene Material versagte. Die Statistik, die nur einen statischen Moment festhalten kann, war zum größten Teil überholt, und es fehlte an einem Überblick über die dynamischen Momente: die Triebkräfte der wirtschaftlichen Entwicklung. Es genügte auch nicht, durch Einzelerhebungen einen bestimmten Zweig der Wirtschaft zu erforschen und in einer monographischen Betrachtung diese Untersuchungen festzulegen. Man mußte also einen neuen Weg wählen, um die verschiedenen Momente, die den Strukturwandel der deutschen Wirtschaft beeinflußten, berücksichtigen zu können. So kam man zu der Inangriffnahme einer Enquete. Denn die Enquete kann sich zwar auf das vorhandene stati- 6 75

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