Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Neues und Altes zur Idee des Führertums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 69 (sequence 8)
- Language
- German
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Neues und Altes zur Idee des Führertumwunden, als Moses getötet hat Ein „Nein" vor der heiligsten Pflicht ist als Notwendigkeit erkannt Der Geist der Gattung, der Gesellschaft der eigenen Zeit fängt an hinter ihm zu versinken. Alles was von gestern ist, alle Traditionen, alle mythisch-religiöse Volksverbundenheit, so wesentlich sie als die Wiege für den erwachenden Schöpfergeist auch sein mögen — seine Heimat sind sie nicht Seine eigentliche Heimat ist jenseits gelegen, jenseits zu allem was ist, zu allem Heute in jenem Reiche, das ein Werden ist, im Reiche des Morgen, das ein absolutes ist, solange es nach Verwirklichung drängt, bis es eines Tages von dem Neuwerdenden abgelöst wird. Denn ein dauerndes, ein wirklich Absolutes ist nur dies: der schaffende Geist selbst, und ewigen Restand hat nur eines: die ewige Schöpfung, der zeugende Fluß allen Geschehens. Und nun ist Moses so weit, er hat die Zusammengehörigkeit mit seinem Vclke gefunden und seine Schuldlosigkeit, seine etwas erdenferne Reinheit dafür hingegeben. Er ist nicht mehr der reine Prinz, dem ein Erdenrest zu tragen peinlich, er gehört dazu. Aber ein wenig später und er ist auch über diese Zusammengehörigkeit hinausgeschritten. Er hat das Volk in sich, aber er ist nicht mehr das Volk, das hinter ihm ist, er ist etwas Neues geworden. Und da er so weit ist, — und nach der Überlieferung ist er schon ein ganz alter Mann, — da spricht Gott zu ihm und macht ihn zu seinem Roten. Und das Zeichen seiner Erwählung soll sein „wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Rerge" oder mit anderen Worten: die bloße Refreiung ist nur Vorbedingung, die Freiheit von etwas. Die Erhöhung deines Volkes und seine Gottnähe, daß sie frei geworden sind z u etwas, dies wird davon zeugen, daß du ein Auserwählter bist Und jetzt, da Gott sich ihm offenbart hat, da bleibt. Moses nicht mehr der Hirt in der Fremde: seine erste Tat ist nun, daß er zurückgeht zu seinem Volke. Gerade die Gesunkenheit seines Volkes, die ihn einst vertrieben hatte, sie zieht ihn jetzt zu ihm zurück. Aber nicht als Rruder kommt er nunmehr, und was er sucht, ist diesmal nicht Rruderschaft Er hatte die Stimme des Ewigen vernommen, und auch sein Volk sollte sie vernehmen. Er ist nicht der Freund des Volkes, das ist, er kommt, um aus diesem Volke ein neues zu machen. Und wenn die Erneuerung zugleich eine Erhöhung ist, wenn sie opfern werden auf dem Rerge Gottes, dann ist er der berufene Führer. Und das Refreiungswerk ist vollzogen, und Moses jubelt über die Tat, die Gott durch ihn vollbrachte. Aber das Schwerste soll erst kommen; die lange -Wanderung durch den Wüstensand des Alltags. Und das Volk zankte mit 69