Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Neues und Altes zur Idee des Führertums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 68 (sequence 7)
- Language
- German
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Regina Barkan seinen Brüdern ist erwacht, und als einem seiner Brüder Unrecht geschieht, da ist alles vergessen, vergessen, daß er gleich einem der Prinzen am ägyptischen Hofe aufgewachsen ist Er erschlägt den Ägypter. — Die Verbundenheit mit den Seinen ist mit Blut besiegelt Diese Zusammengehörigkeit mit dem eigenen Volke ist eine wesentliche Vorbedingung für den, der es einst führen solL Wer dazu bestimmt ist, seine Zeit zu erlösen, seinem Volke voran zu gehen, der muß notwendig einmal selbst dazu gehört und das Leiden seiner Volksgenossen und seiner Zeit als das eigene empfunden haben. Je stärker die Flügel sind, um so mehr Last von Volk und Zeit können sie — müssen sie auf sich nehmen, sie, die die Kraft haben, alles zur Höhe zu tragen. Aber diese Zusammengehörigkeit bildet nur eine Vorstufe. Es ist gut und notwendig in der Gemeinschaft zu sein, aber zweifellos, das Stehenbleiben bei dieser Zusammengehörigkeit bedeutet eine Gefahr. Gar zu leicht führt dies zu unproduktiver Mittelmäßigkeit und früher Bescheidung, was beides dem jüdischen Geiste, der von Natur immer ein „Hungerleider nach dem Unerreichlichen" war, fremd ist Moses wächst über sein Volk hinaus. Wieder trifft er zwei Männer, und diesmal beide seines Volkes, und hier spricht das Buch nicht mehr von den Brüdern; die Mission, das Brudergefühl in ihm zu wecken, ist erfüllt Der Fall liegt hier weit schwieriger, als es hebräische Männer sind. Und so muß er schließlich erkennen, daß er seinem Volke doch ein Fremder geworden ist Die Masse erhebt sich gegen den einzelnen, gegen den Abgesonderten, den anderen; erstarrtes, dumpf gewordenes Alte gegen den Bringer des Neuen. — Die Flucht, die neue Heimat in der Fremde und am stärksten die Geburt des ersten Sohnes — all dies wirft ein Licht auf das, was hinter ihm liegt, — und es wird Moses ein Neues deutlich: nicht Brüder sind sie ihm mehr: „Ein Fremder bin ich geworden im fremden Lande." Und er willigt ein, in der Ferne zu bleiben und die Schafe zu hüten in der Fremde. Bildet auf der einen Seite das Moment des Dazugehörens eine wesentliche Seile in der Entwicklung jedes Einzelnen, so wird er zum großen Einzelnen erst dadurch, daß er im eigentlichen Sinne nicht mehr dazu gehört, und daß er auch zu leben versteht, ohne dazu zu gehören, weil er einer ist, der seinen Schwerpunkt in sich selber hat Denn der große Mensch, der alle Irrungen und Leiden auf sich genommen hat, der alles Krankhafte seiner Zeit in überreicher Kraft ausgeglichen hat, er ist in der Tat schon ein Neuer, ein Anderer und gehört im eigentlichen Sinne nicht mehr dazu. Die Regel ist über- 6$