Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Neues und Altes zur Idee des Führertums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 67 (sequence 6)
- Language
- German
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Neues und Altes zur Idee des Führertums gewordenen Befehl. Von diesem Augenblick aber kann ihm nichts zu gering sein, um es nicht durch die eigene Person zu vollbringen. Besonders ergreifend ist es, daß erst der Schwiegervater, der von Draußen Kommende, ihm rät, sich Helfer zu nehmen: „Du kannst es allein nicht ausrichten." Ein bedeutsamer Tausch: Moses, der seinen Schwiegervater lehrt, daß der Herr größer ist, denn alle Götter, übernimmt seinerseits von ihm jenes Moment, das wir heute Organisation nennen würden, auch sie unentbehrlich, um auszuführen, was Gott gebietet Und dennoch — aeben all diesen Zügen der Vollendung einiges wenige erfahren wir auch über die Werdezeit des Moses. Und. dieses wenige ist so, daß sich gleich die ganze Leidensgeschichte des werdenden Führers darin enthüllt, der sein Führertum damit bezahlen muß, daß er einsam durchs Leben schreitet, verkannt und nicht verstanden von seinen in der Knechtschaft stumpf gewordenen Volksgenossen, „ein Fremdling geworden im fremden Lande", und der sich klaglos dem strengsten Führerschicksal unterwirft, eine Generation, — seine Generation in der Wüste untergehen zu sehen, auf daß ihre Söhne das gelobte Land betreten dürfen. Und ein wesentliches Moment alles Führertums, das Verhältnis des Führers zu seinem Volke, umreißen die Namen, die Moses seinen beiden Söhnen gibt. Gerson, ein Fremdling dort, denn ein Fremdling bin ich geworden im fremden Lande. Fremd also dem eigenen Volke. War er dies immer? Sicher nicht. Einstens gehörte er dazu. Die Stunde seiner Geburt stand — im Zeichen der schwersten Not seines Volkes, die er am eigenen Leibe erfahren sollte. Auch scheint er einen großen Teil seiner Kindheit hindurch das Leben der Seinen geteilt zu haben. Erst als das Kind groß geworden, kommt es an den Königshof. Und nun allerdings folgt eine Jugend in einer ganz anderen Sphäre. Er ist der Sohn der Königstochter, in einem Lande, wo das Volk Frondienste tun muß, damit die Könige schwelgen. Die höchste Kultur seiner Zeit wird ihm von den ägyptischen Weisen vermittelt, als etwas, das ihn, ein Mitglied der königlichen Familie, am allernächsten angeht Es ist möglich, daß die Kindheitscindrücke nun in den Hintergrund gedrängt werden. Er ist der aus dem Wasser, aus der Tiefe, aus dem Elend Emporgezogene. Wahrscheinlich eine strenge und einsame Jugend, ein auf-sich-selbst-Gestelltsein, aber eine Jugend als Königssohn. Als er aber groß, das ist reif geworden, hört dies auf. Aus der geschützten vornehmen Abgeschlossenheit geht er hinaus zu seinen „Brüdern" und „sah ihre Last". Das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit 67