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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Neues und Altes zur Idee des Führertums
Date
1928-04-01
Page
65 (sequence 4)
Language
German
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Neues und Altes zur Idee des Führextums das Recht des einzelnen, das Naturhafte und das Geistige, das Leben in der Gegenwart und das Schaffen für die Zukunft Welches aber ist die Glut, die alles, was sich sonst feindlich gegenüber-' steht, in eins zusammenschweißt? Wohl stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Moses. Aber wenn man uns früher gelehrt hatte, daß Gott nur zu Moses und den Propheten gesprochen, und daß er seither nicht mehr mit Menschen rede, so haben sie uns etwas Falsches gelehrt Erstarrtes Judentum sprach bald daraus, bald ein Judentum, das sich selber vergessen hatte und nicht mehr wußte, daß Judentum so lebendig ist, wie das unsterbliche Gesetz des Lebens. Denn was dem Judentum die lebendige Einheit verleiht, es ist nichts anderes als die Idee der alleinen Gottheit, aus der es gezeugt ist Und wie Judentum niemals ein bloßes Hinnehmen, sondern ein Wissen war, so gibt seine Lehre einem jeden einzelnen nicht nur die Möglichkeit, das Erkennen zu gewinnen, sondern weit mehr als dies: das Gesetz als den Weg, den in allen Einzelheiten vorgezeichneten Weg, um zur Grotteserkenntnis zu gelangen (siehe Schelers Unterscheidung zwischen „glauben an" und „glauben daß" [vom Ewigen im Menschen]). Und da es lebendiges Gotteserkennen ist, so muß es notwendig auch zum Gottesdienst führen. Denn keine freie Wahl hat mehr, wer da steht im Dienste der höheren Gewalt Moses hatte das gelobte Land geschaut, und so mußte er sein Volk dahin führen, er hatte die Stimme des Ewigen vernommen, und auch sein Volk sollte sie hören; denn nicht nur dem einzelnen will sich das Höchste kundtun, jeder soll zu ihm gelangen und ihm dienen dürfen, jeder soll sich als ein Teil des schaffenden Geistes und der zeugenden Liebe fühlen und aus diesem Geiste heraus leben und tun. Moses, der sein Volk aus dem Lande der Knechtschaft führt, ein ewiges Symbol des geistigen Führertums! Denn immer ist dies das Land der Knechtschaft, wo das Heute und das Gestern herrschen und das starre Sein, und immer ist es Götzendienst, Einrichtungen des Heute und Erfolge des Tages anzubeten, als wenn es ewige wären. Und immer ist es das gelobte Land, jenes Land des heiligen Werdens, das Wirklichkeit werden soll, und das Wirklichkeit werden zu lassen, wir da sind Wohl ruht das Judentum auf Ethik und Geistesbildung, aber es ist weit mehr als diese beiden. Ethik untf Geistesbildung sollen nur den Boden bereiten helfen für die heilige Saat Auch die tiefste Bedeutung des Sabbath ist wohl keine andere, als die Vorbereitung für die Teilnahme am Ungewordenen und Ungeborenen, an der 65

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