Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Neues und Altes zur Idee des Führertums
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 64 (sequence 3)
- Language
- German
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Regina Barkan und einen vollkommenen Automatismus des Instinkts erzeugt, was nichts anderes ist, als einem Volke die Möglichkeit geben, nach der höchsten Kunst des Lebens zu streben, ein Gesetz, das den Willen von Jahrtausenden lenkt — ja, es ist schon so: alles was hier noch heiße Sehnsucht ist, dieses alles war einmal lebendige Wirklichkeit gewesen, und der Inbegriff dieser Wirklichkeit ist jener gottgesandte Föhrer, der seit Jahrtausenden immer wieder die Menschheit aus dem Lande der Knechtschaft befreit, um sie in das gelobte Land der Freiheit zu führen. Und diese uralte Erinnerung wird gleich wieder lebendig bei jenen Betrachtungen über Kunst, wie sie Nietzsche, den Künstler unter den Philosophen so andauernd bedrängen. In all diesen quälenden, brennenden Fragen, ob alles Sich-selbst-gestalten, alles künstlerische Einsiedlertum, alle bisherigen Künstler, als die kleinen Vollender an einem Stoffe, ob dies alles nicht im Grunde nur Vorübungen, Vorstufen sein könnten für einen höheren Begriff von Kunst und Schöpfertum, deren Stoff Mensch und Menschheit sind, und schließlich in der Erwägung, in die alles mündet, ob der Mensch überhaupt imstande ist, sich so ferne von den Menschen zu stellen, um an ihnen zu gestalten — in all diesem geht es zweifellos um ungeheure Fragen, nur daß einmal schon eine Antwort darauf gegeben wurde, damals als jener vom Berge die zwei Tafeln herabbrachte und damit wirklich seine Hand auf Jahrtausende legen sollte wie auf Wachs. Moses — es ist hier immer nur von der biblischen Gestalt die Rede — das Geheimnis dieses jüdischen Führertums, es ist zugleich das große Geheimnis unseres Daseins und unseres Soseins. Er, der in Welten lebte, daß sein; Antlitz glänzte, wenn er aus ihnen herabstieg, so daß der Bruder und alle anderen sich fürchteten, ihm zu nahen, er hinterläßt ein Gesetz, das Bedacht nimmt auf alle Vorfälle im Leben des einzelnen und der Gemeinschaft und das als ein unversiegbarer Quell heute so lebendig sprudelt wie je. Denn jenes Gesetz, es ist das Gesetz des Lebens selbst, „das nicht verborgen, noch zu fem ist, denn es ist das Gesetz, das in deinem Munde und in deinem Herzen ist, auf daß du es tust" Und dies vor allem verleiht dem Judentum seine besondere Bedeutung, daß sein Stifter, der Gottnaheste der Menschen, auch der große Tatmensch ist, der Volksbefreier, Gesetzgeber und Staatenbildner. Gegensätze, die man in unseren Tagen für durchaus unvereinbar hält, hat der Bringer des Monotheismus in eine Einheit zusammen geballt, das Gesetz des Staates und 64