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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Karl Marx
Date
1928-04-01
Page
43 (sequence 17)
Language
German
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Kail Marx. Geelalt und Ethoe. einer „Zeitschrift des Atheismus" fassen ließ. Feuerbach weiß er dann gegen D. Friedr. Strauß auszuspielen: „Es gibt keinen anderen Weg für euch zur Wahrheit und Freiheit als durch den Feuer-bach. Der Feuerbach ist das Purgatorium der Gegenwart". Und dieses Feuerbachs Meinung blieb auch Marxens Meinung: „Dem Menschen gilt immer für sein höchstes Wesen, was sein wahres Wesen ist". Darum gipfelt Marxens Programm darin, „wie dies auch bei Feuerbachs Kritik der Religion der Fall ist, daß die religiösen und politischen Fragen in die selbstbewußte menschliche Form gebracht werden". Dieses Programm hat die. materialistische Geschichtsauffassung Marxens später durchgeführt, die über Feuerbach hinaus den „wirklichen" Menschen als in den wirtschaftlich-sozialen Verhältnissen auch nach seiner Geistigkeit hin so sehr vergesellschaftet zeigte, daß auch seine religiöse Ideenbildung nur den „Reflex" dieser Verhältnisse in seinem Bewußtsein spiegelte. Das „Kapital" dekretierte: „Die Religion ist nur der Reflex der wirklichen Welt". Die Einsicht aber in die gesellschaftliche Gesetzlichkeit und die Einrichtung des gesellschaftlichen Lebens nach ihnen wird den „religiösen Widerschein der wirklichen Welt" verschwinden lassen. Der Sozialismus der Zukunft ist atheistisch, der in Gesellschaft freie Mensch dieser Zukunft ist auch der gottfreie Mensch, der sich, wie Marx schon in der Kritik der Hegeischen Rechts- Philosophie wußte, um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewegt, während „die Religion nur die illusorische Sonne ist, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt". Will man von einer „Schuld" des Marxismus reden, in der er dem Arbeiter den Glauben geraubt habe, so verteilt man diese Schuld falsch: Marx lehrte den Arbeiter das, was ihn selbst die Philosophie der Bourgeoisie gelehrt hatte. Ihr naturgesetzliches Wissensideal wurde in Verquickung mit dialektischem Denken das seine, wie auch ihr Atheismus der seine wurde. Wie er den Proletarier nur ernähren konnte mit dem Ertrag der kapitalistischen Wirtschaft, so hatte er für seinen Geist keine andere Nahrung als die, die bürgerliche Gesellschaft in ihrer atheistischen Philosophie bereitete. Nicht Schuld, sondern „Schicksal" Marxens wie des Proletariates war es, bei allem Hinauswollen über die kapitalistische Welt doch nach dieser doppelten, materiellen wie geistigen, Seite hin an ihre Wirklichkeit gebunden zu bleiben, ja den Atheismus als „Irreligion de l'avenir" (Guyau) in Erbschaft zu nehmen. Auch das war ein letzter Rest übernommenen Glaubens, daß Marx das Wissen, die Einsicht in den Vergesellschaftungsprozeß, als den Befreier von 4 43

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